EIN(seitiger) BLICK auf die Mühen des Alterns

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granny7m Avatar

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Der Titel hatte mich neugierig gemacht, „Frangfodd is schlimmer als Tschikago!“(leider in der Endfassung zur Unkenntlichkeit verkürzt) -in der Leseprobe diente er als ein wiederkehrender Ausspruch zur Charakterisierung des Großvaters.
Im ersten Teil des Buches geraten die Großeltern in den Fokus der Autorin (in Midlifecrisis?) mit der brennenden Frage: Wie funktioniert das Leben im Alter? eine sehr minutiöse, humorvolle, messerscharfe Analyse, die Schilderung recht gnadenlos: die beiden führen „eine Ehe“ -qualifizierendes Adjektiv nicht möglich (…waren zerstritten. Aber am Ende eines jeden Tages unzertrennlich, p16) ; sie scheinen nie im Leben aus der Mainebene und ihrer kleinbürgerlichen Schrebergarten-Welt herausgekommen zu sein…ihre Maximen sind stets in hessischem Dialekt abgefasst (s.Titel). Welch reduzierter Horizont... das Urteil zwischen den Zeilen… unfähig zu Selbstreflexion und zu Gefühlen. Das Leben geht so weiter bis wieder einer gestorben im Dorf dem man nur ein „Oje!“ hinterherruft bis…???
Stehsätze wie „nichts im Leben ist umsonst außer der Tod p26“ machen die Runde… Dies wenig hilfreiche Modell der Altvorderen ist geschildert, was nun?
Was dann Teil 2 und 3 des Buches bieten ist recht enttäuschend: im Mittelteil erleben wir ihre Arbeit im Seniorenheim mit…lauter kurze Fallanalysen, lauter Varianten der Menschen, denen das Alter die Regie über ihr Leben entzogen hat, ihre Verfehlungen und Ausfälle genau beobachtet, sachbuchartig aneinandergereiht, recht empathielos, wenn überhaupt Gefühl im Spiel dann Horror, das Seniorenheim wird zum Gruselkabinett.
Ich wünschte mir mehr als eine wortgewaltige Sektion der Missstände - fast doppelt so alt wie die Autorin kann ich versichern: es gibt andere Perspektiven fürs Altern, auch mit Zuversicht im Abgang.
Teil3 ist dann nur noch ein Sammelsurium, was so im Zettelkasten übrig war- ein wenig von allem (p90 „fon alen was“)
So sprunghaft bis zerfleddert wie die Gedanken ist auch der Schreibstil, der Text wirkt manchmal etwas arrangiert -Spätfolgen einer Schreibschule? typisch im Sinne von wiederkehrend: der feine Humor manchmal mit ironischer Distanz gepaart. für den Leser unklar, ob auch Empathie dabei ist, kurze Sätze inhaltliche Sprünge eventuell gewollte Knoten im roten Faden,
all das bremst den Lesefluss oder gar die Leselust.
Wer ist wohl die Zielgruppe dieses Textes? Was ist der Antrieb zum Schreiben? p88 lesen wir:[und der erste Satz des Textes verspricht“ alles in diesem Buch ist wahr“] “ich war froh, einmal in der Woche etwas zu haben, in dem es nicht darum geht, das Gehörte zu verwerten“…im Umkehrschluss beherrscht also den Rest der Woche die Last des „Verwerten -Müssens“ -das spürt man.
Ich möchte beim Lesen unterhalten werden, meine Gedanken, die mir den Kopf kreuzen, besser formuliert wiederfinden, Freude am Kreativen haben oder ich lese ein Sachbuch zur Wissenserweiterung. Hier kommt derlei Lesevergnügen nicht auf.
Ich werde den Eindruck nicht los, dass dieser Text eher zu selbsttherapeutischen Zwecken geschrieben wurde: die Angst, die man vorm Altwerden, vorm Lebensabend hat, zugespitzt zur perfekten Klarheit formuliert und dann in die mentale Sandbox verschoben.
Mag erfolgreich sein, die Methode, aber nicht von andrer Leuts Interesse.
Ich wünsche der Autorin, dass sie mit ihrem unbestrittenen Beobachtungs-und Sprachtalent und dem Sinn für Komik zu liebenswerteren Sujets findet.