Unterstellter Blick auf das Alter

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jaymowe Avatar

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Die Ich-Erzählerin wächst in der hessischen Provinz auf, zusammen mit ihrer Mutter und den etwas schrulligen Großeltern. Liebevoll erzählt sie von ihrer Kindheit zwischen den Katzen der Oma und den gesammelten Gerätschaften des Opas. Als sie zum Studium nach Berlin zieht und die Großeltern verstorben sind, entschließt sie sich, ehrenamtlich in einem Seniorenheim zu arbeiten. Und schreibt die Geschichten der Bewohner auf....

Der Roman lässt sich grob in zwei Teile gliedern. Der erste Teil, in dem die Ich-Erzählerin von ihrer Kindheit und den Großeltern berichtet und nachfolgend der Teil, in dem es um die Bewohner des Seniorenheims geht.
Um ersten Teil beschreibt das lyrische Ich anschaulich und liebevoll ihre Großeltern. Dazu ahmt sie den breiten hessischen Dialekt nach und stellt dar, wie die Großeltern miteinander umgehen, z.B. das gegenseitige Nachäffen. Dieser Blick ist sehr zärtlich und rückt die Großeltern direkt in die Nähe des Lesers, sodass die spätere Entscheidung der Ich-Erzählerin als logische Konsequenz erscheint.
Der zweite Teil behandelt die ehrenamtliche Arbeit des lyrischen Ichs in einem Seniorenheim. Dieser Teil ist, anders als der erste Teil, nicht stringent sondern anekdotisch erzählt. So reihen sich viele kleine Geschichten und Begebenheiten aneinander. Teilweise gliedern sie sich nach Personen und teilweise nach Themen. Insgesamt wirkt dieser Teil recht unstrukturiert und auch weicht der zärtliche Blick einer eher distanzierten und abgeklärten Betrachtungsweise. Insgesamt wirkt die Vielstimmigkeit am Ende, wie ein etwas schiefer Chor.

Leider muss ich gestehen, dass mich der Roman im zweiten Teil verloren hat. Zum einen, weil die Komposition der einzelnen Teile über eine weite Strecke nicht ganz gelungen ist und zum anderen, weil mir die Erzählung zu abgeklärt scheint.
Eins muss man dem Roman jedoch zugute halten, er beschäftigt sich mit einem Thema, was in dieser Form noch wenig in der Öffentlichkeit zu sehen ist: alte Menschen. Keine lustigen alten Menschen, keine junggebliebenen oder besonders scharfsinnige alte Menschen - einfach alte Menschen im Seniorenheim. Mit unterstelltem Blick beschäftigt sich die Autorin mit einem Thema, dem wir eher versuchen aus dem Weg zu gehen. Das ist neu, aber gerade in einer immer stärker alternden Gesellschaft ist es auch notwendig. Chapeau für diesen Mut.