Zwischen Erinnerungen und kleinen Lebensmomenten

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Schon nach wenigen Seiten wurde mir klar, dass mich hier kein klassischer Roman erwartet. Statt einer fortlaufenden Handlung erzählt Alexandra Stahl in vielen kleinen Episoden vom Älterwerden, von Erinnerungen und von Menschen, deren Leben sich in oft unscheinbaren Momenten widerspiegelt.
Das Cover hat mich zunächst neugierig gemacht. Es wirkt schlicht, aber genau dadurch passend zum ruhigen Charakter des Buches.
Am meisten haben mich die Passagen über die Großeltern angesprochen. Ihre Eigenheiten, die kleinen Streitigkeiten und die Selbstverständlichkeit, mit der sie ihren Alltag teilen, wirken glaubwürdig und herzlich. Man merkt, wie viel Zuneigung in diesen Erinnerungen steckt, ohne dass sie verklärt werden.
Später rücken die Begegnungen im Seniorenheim in den Mittelpunkt. Dort entstehen viele kleine Szenen, die mal berühren, mal zum Schmunzeln bringen und oft länger nachwirken, als man zunächst vermutet. Gerade weil die Autorin ihre Figuren nicht bewertet, sondern einfach erzählen lässt, wirken diese Begegnungen sehr authentisch.
Der Schreibstil ist ruhig, klar und angenehm zu lesen. Besonders gefallen hat mir, dass ernste Themen immer wieder durch feinen Humor aufgelockert werden.
Etwas schwerer getan habe ich mich mit dem Aufbau. Viele Erinnerungen und Beobachtungen stehen nebeneinander, wodurch mir zwischendurch ein stärkerer roter Faden gefehlt hat. Einige Abschnitte wirkten eher wie einzelne Notizen als wie eine zusammenhängende Erzählung.
Dennoch passt genau diese Form auch zum Thema des Erinnerns. Nicht jede Erinnerung folgt schließlich einer klaren Ordnung.
Mich hat das Buch trotz kleinerer Schwächen berührt. Es regt dazu an, älteren Menschen genauer zuzuhören und die scheinbar alltäglichen Geschichten mehr zu schätzen.