Auf der Suche nach sich selbst
Pauline Hatschers "Über vier Leben" hat mich tief beeindruckt. Vor dem Lesen würde ich empfehlen, die Triggerwarnungen zu beachten. Es werden sexuelle und häusliche Gewalt behandelt.
Der Roman ist eine fiktive Biographie der Protagonistin Mirabell, die, um ihren Platz im Leben zu finden oder besser noch, überhaupt erst zu begreifen, ihre Familiengeschichte mütterlicherseits aufarbeitet. Ihre Urgroßmutter Hannchen wurde von der Familie verstoßen und verschwand. Deren Tochter Lisa wurde von der garstigen Schwägerin aufgezogen. Lisa wiederum weiß bis zu ihrem 21. Lebensjahr nicht, dass sie adoptiert ist, und fühlt sich völlig entfremdet. Lisas Tochter Sabine ist in einer völlig toxischen Beziehung gefangen. Diese Beziehung prägt Mirabell bis in ihr eigenes Erwachsenenleben. Sie treiben Angstzustände und eine innere Leere um, die sie partout nicht zu füllen weiß. Alle vier Frauen sind von den gesellschaftlichen Erwartungen an sie gezeichnet. Alle erleben eine bestimmte Form von Trauma.
Die Autorin hat mit großer Einfühlsamkeit, aber auch brutaler Ehrlichkeit die Wirklichkeit von vier Generationen Frauen eingefangen. Dabei hat sie die Figuren vielschichtig und realistisch dargestellt. Ich habe sehr mit allen mitgefühlt, auch wenn ich zwischendurch unglaublich wütend über die Umstände wurde. Ich musste mir immer wieder vor Augen führen, dass alle Frauen im Kontext ihrer Zeit zu lesen sind und Opfer ihrer Umstände sind, auch wenn das für mich selbst unvorstellbar ist. Daher ist das Buch auch so wichtig und zeitgemäß, denn es beschönigt weder romantische noch familiäre Beziehungen und verdeutlicht, dass Frauen lange nicht als eigenständige Menschen wahrgenommen wurden und wie vor allem die psychische Verfassung vernachlässigt wurde. Die Figuren haben dabei keineswegs schwach gewirkt, sondern waren sehr inspirierend. Zwischendurch fiel es mir allerdings schwer, weiterzulesen und das Buch zu beenden, da ich mich so unwohl gefühlt habe mit dem, was den Frauen an den Kopf geworfen und angetan wurde.
Alles in allem ist "Über vier Leben" ein wirklich sehr gelungener Roman. Die im Buch behandelten Themen sind schwer und lösen Unbehagen aus, und genau darum geht es. Wer eine entspannte Feel-good-Abendlektüre haben möchte, wird hier nicht fündig werden. Wer jedoch kritisch vergangene und gegenwärtige Rollenmuster hinterfragt und die ungeschönte, weibliche Lebensrealität verkraftet, wird mit diesem Buch einen sehr emotionalen Schatz finden.
Der Roman ist eine fiktive Biographie der Protagonistin Mirabell, die, um ihren Platz im Leben zu finden oder besser noch, überhaupt erst zu begreifen, ihre Familiengeschichte mütterlicherseits aufarbeitet. Ihre Urgroßmutter Hannchen wurde von der Familie verstoßen und verschwand. Deren Tochter Lisa wurde von der garstigen Schwägerin aufgezogen. Lisa wiederum weiß bis zu ihrem 21. Lebensjahr nicht, dass sie adoptiert ist, und fühlt sich völlig entfremdet. Lisas Tochter Sabine ist in einer völlig toxischen Beziehung gefangen. Diese Beziehung prägt Mirabell bis in ihr eigenes Erwachsenenleben. Sie treiben Angstzustände und eine innere Leere um, die sie partout nicht zu füllen weiß. Alle vier Frauen sind von den gesellschaftlichen Erwartungen an sie gezeichnet. Alle erleben eine bestimmte Form von Trauma.
Die Autorin hat mit großer Einfühlsamkeit, aber auch brutaler Ehrlichkeit die Wirklichkeit von vier Generationen Frauen eingefangen. Dabei hat sie die Figuren vielschichtig und realistisch dargestellt. Ich habe sehr mit allen mitgefühlt, auch wenn ich zwischendurch unglaublich wütend über die Umstände wurde. Ich musste mir immer wieder vor Augen führen, dass alle Frauen im Kontext ihrer Zeit zu lesen sind und Opfer ihrer Umstände sind, auch wenn das für mich selbst unvorstellbar ist. Daher ist das Buch auch so wichtig und zeitgemäß, denn es beschönigt weder romantische noch familiäre Beziehungen und verdeutlicht, dass Frauen lange nicht als eigenständige Menschen wahrgenommen wurden und wie vor allem die psychische Verfassung vernachlässigt wurde. Die Figuren haben dabei keineswegs schwach gewirkt, sondern waren sehr inspirierend. Zwischendurch fiel es mir allerdings schwer, weiterzulesen und das Buch zu beenden, da ich mich so unwohl gefühlt habe mit dem, was den Frauen an den Kopf geworfen und angetan wurde.
Alles in allem ist "Über vier Leben" ein wirklich sehr gelungener Roman. Die im Buch behandelten Themen sind schwer und lösen Unbehagen aus, und genau darum geht es. Wer eine entspannte Feel-good-Abendlektüre haben möchte, wird hier nicht fündig werden. Wer jedoch kritisch vergangene und gegenwärtige Rollenmuster hinterfragt und die ungeschönte, weibliche Lebensrealität verkraftet, wird mit diesem Buch einen sehr emotionalen Schatz finden.