Beeindruckendes Debüt!

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⚠️ Triggerwarnung: Vergewaltigung, Suizid, häusliche Gewalt, Depressionen

Mit „Über vier Leben“ ist Pauline Hatcher ein beeindruckendes Romandebüt gelungen. Der Roman hat mich von der ersten Seite an gefesselt.

Mirabell lebt seit einem Jahr in Leipzig, fühlt sich einsam und scheitert an Beziehungen. In der Therapie beginnt sie zu hinterfragen, warum ihr Nähe so schwerfällt. Auf der Suche nach Antworten taucht sie immer tiefer in die Geschichte ihrer Familie ein und rekonstruiert das Leben ihrer Mutter, Großmutter und Urgroßmutter. Dabei stößt sie auf generationsübergreifende Traumata, Leerstellen und Schweigen – und erkennt, wie sehr die Vergangenheit bis in die Gegenwart hineinwirkt.

Die Handlung springt zwischen vier Frauen und mehreren Zeitebenen. Pauline Hatcher verknüpft ihre Lebensgeschichten äußerst feinfühlig miteinander. Wir begleiten Sabine, die in einer toxischen Ehe gefangen ist, Lisa, die sich als Hausfrau und Mutter zunehmend selbst verliert, und Hannchen, deren Leben nach einer Vergewaltigung eine tragische Wendung nimmt. So entsteht nach und nach ein bewegendes Bild davon, wie Erfahrungen und Verletzungen über Generationen weitergegeben werden.

Die Figuren wirken authentisch und nahbar, ihre Gefühle sind jederzeit nachvollziehbar. Trotz der schweren Themen liest sich der Roman sehr flüssig und entwickelt eine enorme Sogwirkung. Der Twist am Ende hatte sich für mich zwar zwischenzeitlich angedeutet, überraschen konnte er mich dennoch.

Besonders beeindruckt hat mich, dass es letztlich gar nicht darum geht, jede Lücke der Familiengeschichte zweifelsfrei zu schließen. Vielmehr zeigt der Roman, dass der Suchprozess oft wichtiger ist als die Wahrheit selbst. Wie Pauline Hatcher in ihrem Begleitschreiben schreibt, findet man im Suchen die eigenen Antworten auf die Vergangenheit und erkennt, welchen Sinn man braucht, um in der Gegenwart weiterleben zu können.

Mein Fazit: Über vier Leben ist ein intensiver, tiefgründiger Familienroman, der lange nachhallt. Er hat mich nicht nur emotional berührt, sondern auch zum Nachdenken gebracht: Warum bin ich der Mensch, der ich heute bin? Welche Geschichten meiner Familie wirken vielleicht bis heute in mir nach? Ein eindrucksvolles Debüt über generationsübergreifende Traumata, Identität und die Kraft, die eigene Geschichte selbst zu schreiben.

Absolute Leseempfehlung!