Brandspuren von Generationentraumata
"Etwas ist falsch. Bloß habe ich keine Ahnung, was."
So beschreibt die junge Studentin Mirabel ihren inneren Zustand. Ein merkwürdiges diffuses Gefühl begleitet sie und wirkt mehr und mehr lähmend auf ihr Leben. Da sitzt sie in ihrer Studentenbude in Leipzig, versucht via irgendwelcher Kennenlern-Apps Kontakt zu knüpfen, vornehmlich einen Partner kennen zu lernen und löscht im gleichen Augenblick wieder ihre Anmeldung. Die vermaledeite C-Zeit mit ihren Lockdowns ist vorbei, die innere Einsamkeit und das Verlorensein bleibt. Mirabel geht in Therapie und dort kommt ihr die Idee, doch mal in ihren Generationen nachzuforschen, vielleicht könnte sie dort die Ursache für ihre Depressionen finden. Und so macht sich Mirabel auf die Suche in der Vergangenheit und trifft vor allem auf Sprachlosigkeit, die sie versucht mit Geschichten zu füllen und nimmt den Leser mit auf eine bedrückende Reise.....
Angefangen hat alles mit Hannchen im Jahr 1930, aufgewachsen in einem Dorf in der Nähe von Bremen. Die familiäre Atmosphäre gleicht der Farbe der Kohlen, mit der die Familie handelt. Hannchen ist voll Lebenshunger und stellt sich ein Leben in der Stadt über dem Fluss vor, doch nach einer durchtanzten Nacht auf dem Dorffest enden alle Lebensvorstellungen von Hannchen in einer Scheune. Vergewaltigt von einem Fremden wird sie von der Familie verstoßen, nur ihr neugeborenes Kind wird der unfruchtbaren Schwägerin Erna untergeschoben....
Lisa wird von ihrer harten Tante Erna aufgezogen und wächst in der durch Sprachlosigkeit bekannten Nachkriegszeit auf. Der Schein nach außen ist wichtig, das Funktionieren, das nach vorne schauen, ist doch alles schön, doch die tiefe Traurigkeit innendrin frisst sich in jeden Bereich von Lisas Leben, auch ihre Ehe mit einem lieben Mann und die Geburt von ihrer Tochter Sabine vermögen es nicht sie aus dem tiefen Loch der kohlefarbenen Traurigkeit herauszuholen. Das Leben wird zunehmend schwerer und schwerer und Lisa fasst im Jahr 1968 den Entschluss, so nicht mehr weiterleben zu wollen......
Im Jahr 1994 begegnen wir Sabine, der Tochter von Lisa, die von ihrem Vater alleine aufgezogen wurde und allen Fragen nach ihrer Mutter und Oma mit Sprachlosigkeit begegnet wird. Somit entschließt sich die gutaussehende junge Lehrerin genau wie ihre Vorfahren die heile Fassade aufrecht zu erhalten und Sabine träumt weiterhin von einer heilen Familie. Mit einem durchtrainierten Lehrerkollegen sieht sie sich diesem Ziel näherkommen, auch wenn der an ihr durchaus interessierte Mann sich mehr für alle Sportarten der Welt interessiert und auch sonst ein wenig handfest rüberkommt, was bestimmt nur an Sabine liegt, lässt sie sich auf eine Ehe mit ihm ein, trotz leiser innerer Warnungen und dem sich nicht einstellenden völlig fehlendem Glücksgefühl. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf und Sabine sieht sich in einem Kreislauf von Gewalt gefangen, was sie auf ihre ganz eigene Art runterspielt und sich nicht eingesteht. Mit ihr hatte ich die meisten Probleme während des Lesens, denn die von ihrer Tochter Mirabel mühsam geführten Gespräche mit ihrer Mutter, immer darauf bedacht, dass der Vater nicht anwesend ist, haben mich des öfteren zum Durchschnaufen gebracht, ganz besonders der Satz, wo es um die nicht gewünschte Empfängnis von Mirabel geht und die einhergehenden Möglichkeiten, sie zu beenden oder auch nicht und Sabines lapidarer Satz: ""Das brauchst du nicht persönlich zu nehmen!"......
Mirabel forscht und schreibt und forscht und schreibt, sie durchläuft eine Achterbahn der Gefühle und alles Geschrieben wird von ihrer Freundin Franzi gelesen und kommentiert und was das für mich mit dem Spielfilm "Beautiful Mind" mit Russel Crowe zu tun hat, der möge das Buch lesen....
Pauline Hatscher hat ein gut formuliertes Romandebut geschrieben, dass ich, auch angeregt durch das ansprechende Cover und den Klappentext, begeistert anfing zu lesen, da ich mich auch vor vielen Jahren auf Spurensuche meiner Generationengeschichte begeben habe und sie in etlichen Familienauftstellungen, in Traumatherapie und christlicher Seelsorge in einer für mich versöhnenden und positiven Art auflösen konnte und auch mich die von der Autorin angesprochenen Themen wie Vergewaltigung, Suizid und häusliche Gewalt in Komibination mit Alkohol betrafen. Die beschriebene Sprachlosigkeit der Generationen hat mich sehr angesprochen und alle Menschen der Generation Kriegsenkel wissen darüber ein Lied zu singen. Dennoch hat mich die Geschichte mehr und mehr angestrengt, sie wurde während des Lesens immer schwerer und hoffnungsloser und mir hat letztendlich einfach etwas gefehlt, ich hatte weiter den Eindruck, die Depression und die Schwere bleibt trotz des Versuchs die Leerstellen der Generation mit fiktionaler Geschichte zu füllen und das finde ich letztendlich sehr schade.
So beschreibt die junge Studentin Mirabel ihren inneren Zustand. Ein merkwürdiges diffuses Gefühl begleitet sie und wirkt mehr und mehr lähmend auf ihr Leben. Da sitzt sie in ihrer Studentenbude in Leipzig, versucht via irgendwelcher Kennenlern-Apps Kontakt zu knüpfen, vornehmlich einen Partner kennen zu lernen und löscht im gleichen Augenblick wieder ihre Anmeldung. Die vermaledeite C-Zeit mit ihren Lockdowns ist vorbei, die innere Einsamkeit und das Verlorensein bleibt. Mirabel geht in Therapie und dort kommt ihr die Idee, doch mal in ihren Generationen nachzuforschen, vielleicht könnte sie dort die Ursache für ihre Depressionen finden. Und so macht sich Mirabel auf die Suche in der Vergangenheit und trifft vor allem auf Sprachlosigkeit, die sie versucht mit Geschichten zu füllen und nimmt den Leser mit auf eine bedrückende Reise.....
Angefangen hat alles mit Hannchen im Jahr 1930, aufgewachsen in einem Dorf in der Nähe von Bremen. Die familiäre Atmosphäre gleicht der Farbe der Kohlen, mit der die Familie handelt. Hannchen ist voll Lebenshunger und stellt sich ein Leben in der Stadt über dem Fluss vor, doch nach einer durchtanzten Nacht auf dem Dorffest enden alle Lebensvorstellungen von Hannchen in einer Scheune. Vergewaltigt von einem Fremden wird sie von der Familie verstoßen, nur ihr neugeborenes Kind wird der unfruchtbaren Schwägerin Erna untergeschoben....
Lisa wird von ihrer harten Tante Erna aufgezogen und wächst in der durch Sprachlosigkeit bekannten Nachkriegszeit auf. Der Schein nach außen ist wichtig, das Funktionieren, das nach vorne schauen, ist doch alles schön, doch die tiefe Traurigkeit innendrin frisst sich in jeden Bereich von Lisas Leben, auch ihre Ehe mit einem lieben Mann und die Geburt von ihrer Tochter Sabine vermögen es nicht sie aus dem tiefen Loch der kohlefarbenen Traurigkeit herauszuholen. Das Leben wird zunehmend schwerer und schwerer und Lisa fasst im Jahr 1968 den Entschluss, so nicht mehr weiterleben zu wollen......
Im Jahr 1994 begegnen wir Sabine, der Tochter von Lisa, die von ihrem Vater alleine aufgezogen wurde und allen Fragen nach ihrer Mutter und Oma mit Sprachlosigkeit begegnet wird. Somit entschließt sich die gutaussehende junge Lehrerin genau wie ihre Vorfahren die heile Fassade aufrecht zu erhalten und Sabine träumt weiterhin von einer heilen Familie. Mit einem durchtrainierten Lehrerkollegen sieht sie sich diesem Ziel näherkommen, auch wenn der an ihr durchaus interessierte Mann sich mehr für alle Sportarten der Welt interessiert und auch sonst ein wenig handfest rüberkommt, was bestimmt nur an Sabine liegt, lässt sie sich auf eine Ehe mit ihm ein, trotz leiser innerer Warnungen und dem sich nicht einstellenden völlig fehlendem Glücksgefühl. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf und Sabine sieht sich in einem Kreislauf von Gewalt gefangen, was sie auf ihre ganz eigene Art runterspielt und sich nicht eingesteht. Mit ihr hatte ich die meisten Probleme während des Lesens, denn die von ihrer Tochter Mirabel mühsam geführten Gespräche mit ihrer Mutter, immer darauf bedacht, dass der Vater nicht anwesend ist, haben mich des öfteren zum Durchschnaufen gebracht, ganz besonders der Satz, wo es um die nicht gewünschte Empfängnis von Mirabel geht und die einhergehenden Möglichkeiten, sie zu beenden oder auch nicht und Sabines lapidarer Satz: ""Das brauchst du nicht persönlich zu nehmen!"......
Mirabel forscht und schreibt und forscht und schreibt, sie durchläuft eine Achterbahn der Gefühle und alles Geschrieben wird von ihrer Freundin Franzi gelesen und kommentiert und was das für mich mit dem Spielfilm "Beautiful Mind" mit Russel Crowe zu tun hat, der möge das Buch lesen....
Pauline Hatscher hat ein gut formuliertes Romandebut geschrieben, dass ich, auch angeregt durch das ansprechende Cover und den Klappentext, begeistert anfing zu lesen, da ich mich auch vor vielen Jahren auf Spurensuche meiner Generationengeschichte begeben habe und sie in etlichen Familienauftstellungen, in Traumatherapie und christlicher Seelsorge in einer für mich versöhnenden und positiven Art auflösen konnte und auch mich die von der Autorin angesprochenen Themen wie Vergewaltigung, Suizid und häusliche Gewalt in Komibination mit Alkohol betrafen. Die beschriebene Sprachlosigkeit der Generationen hat mich sehr angesprochen und alle Menschen der Generation Kriegsenkel wissen darüber ein Lied zu singen. Dennoch hat mich die Geschichte mehr und mehr angestrengt, sie wurde während des Lesens immer schwerer und hoffnungsloser und mir hat letztendlich einfach etwas gefehlt, ich hatte weiter den Eindruck, die Depression und die Schwere bleibt trotz des Versuchs die Leerstellen der Generation mit fiktionaler Geschichte zu füllen und das finde ich letztendlich sehr schade.