Ein anspruchsvolles Verwirrspiel über vier Generationen

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Schon die Leseprobe hat es mir leider nicht leicht gemacht, in diese Geschichte hineinzufinden. Dabei widmet sich Pauline Hatschers Roman „Über vier Leben“ einem extrem spannenden und tiefgründigen Thema: der Generationen überdauernden Weitergabe von Traumata über vier Frauengenerationen hinweg.

Ein echter Blickfang ist zudem das wunderschön gestaltete Cover, das mich sofort neugierig auf das Buch gemacht hat und mir sehr gefällt.

Gerade das in der Geschichte beschriebene, lähmende Schweigen, das in Mirabell's Familie vorherrscht, hat mich sofort berührt – denn ich kenne diese Art von verschwiegenen Themen und Mustern leider auch aus meiner eigenen Familie. Umso mehr hat mich die literarische Umsetzung dann vor große Herausforderungen gestellt.

Das größte Problem war für mich die Erzählstruktur. Die Zeitebenen der verschiedenen Frauen springen ständig hin und her – mal in schnellem Tempo, mal deutlich langsamer. Dieser unregelmäßige Rhythmus hat meinen Lesefluss leider massiv gestört. Anstatt eine tiefe emotionale Bindung zu den Figuren aufzubauen, war ich oft damit beschäftigt, die Chronologie der Ereignisse gedanklich zu ordnen.

Hinzu kam, dass ich das Gefühl hatte, den Gedankengängen der Autorin nicht immer ganz folgen zu können. Viele Übergänge wirkten auf mich sprunghaft. Zwar wird im Verlauf klar, dass diese Verwirrung von der Autorin durchaus beabsichtigt sein könnte, die Sprünge spiegeln Mirabell's Versuch wider, aus den Bruchstücken und dem Schweigen ihrer Familie eine eigene Wahrheit zu rekonstruieren, doch das machte das Lesen nicht weniger anstrengend für mich.

Fazit:
Die Grundidee des Romans ist wichtig und das Buch ist optisch ein echtes Schmuckstück.

Das Konzept, die Struktur eines Traumas durch eine nicht lineare, sprunghafte Erzählweise spürbar zu machen, ist theoretisch klug. Für mich persönlich war der Zugang dadurch jedoch schlicht zu schwer, weshalb mich die Geschichte trotz des persönlichen Bezugs emotional nicht komplett erreichen konnte. Wer sehr verschachtelte und anspruchsvolle Familiengeschichten mag, findet hier aber sicherlich ein lohnendes Werk.