Erinnerungen an meine eigene Geschichte

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Das Cover des Buches lenkt mit seiner Gestaltung die Aufmerksamkeit auf das verschlungene, fast unsichtbare Netz einer Familie. Pauline Hatscher schreibt in ihrem Romandebüt „Über vier Leben“ ein feinfühliges Generationenporträt über Mirabell, einer jungen Frau, die im September 2023 in Leipzig versucht, die Bruchstücke und Leerstellen ihrer weiblichen Ahnenlinie zu ergründen. Sie spürt dem Schmerz dreier Generationen nach: einer Urgroßmutter, die nach einer Vergewaltigung im Osten verschwand; einer Großmutter, die sich mit Ende dreißig das Leben nahm; und einer Mutter, die in einer unglücklichen, einengenden Ehe verharrt. Weil die echte Familiengeschichte einem lückenhaften Stille-Post-Spiel gleicht, beginnt Mirabell, die Wahrheit in der Fiktion neu zu erschaffen, um den Kreislauf des geerbten Leids zu durchbrechen.
​Der Schreibstil der Autorin, die bereits 2022 Finalistin beim Open Mike war, ist von einer präzisen Schärfe. Wechselnd zwischen Mirabells moderner Therapiesitzung und psychologisch dichten Rückblenden in die für mich bedeutenden Jahre 1930, 1968 und 1994, fängt Hatscher die bedrückenden gesellschaftlichen Zwänge der jeweiligen Epochen perfekt ein.
Die Charaktere wirken authentisch. Jede der Frauenstimmen besitzt ein eigenes, tiefes Gewicht.
​„Über vier Leben“ ist ein tolles Debüt, das die universelle Frage stellt, wie viel ungesagter Schmerz über Generationen hinweg in unseren Körpern weiterwirkt. Ich würde diesen bewegenden Roman unbedingt komplett lesen, denn ich liebe tiefgründige, psychologische Familiengeschichten und moderne, weibliche Stimmen in der Gegenwartsliteratur.