Klug verschachtelt

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Stellte ich die Frage nach längst verstorbenen Verwandten, erhielt ich Aussagen wie "Sie war immer unglücklich, dann bekam sie Krebs" oder "Er hat viel getrunken, dann griff er in den Starkstrom". In "Über vier Leben" von Pauline Hatscher steht die Hauptfigur Mirabell vor einer ähnlichen Schwierigkeit: Sie möchte zumindest irgendetwas über ihre Urgroßmutter und ihre Großmutter herausfinden und spüren wie sich deren Leben auf ihre Mutter und sie ausgewirkt haben. Gar nicht so einfach, das Leben Anderer zu rekonstruieren und etwas Tröstendes für sich herauszuziehen. Schritt für Schritt macht sie sich mit Freundin Franzi auf den Weg, recherchiert, findet das Ein oder Andere oder auch nichts und beginnt sich langsam zu fragen, ob die Betrachtung und Wertung nicht eher die Spiegelung unseres eigenen Inneren ist. Am Ende ist das wertvoll, was hilft. Ob real oder erfunden...
Pauline Hatscher ist meiner Empfindung nach ganz großes Kino gelungen. Mit Verschachtelungen werden wir als Leser ganz nah an den Figuren gehalten und nehmen immer wieder Meta-Perspektiven ein. Ein Roman, an den man sicherlich immer wieder zurückdenken wird. Meine Leseempfehlung!