Rekonstruktionen

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coffee2go Avatar

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Der Roman wird aus der Perspektive von vier Frauen einer Familie aus vier Generationen erzählt. Mirabelle, die jüngste der Vier hat Probleme sich selbst zu finden und sich auf Beziehungen einzulassen, sie sucht nach Orientierung und neuen Perspektiven. Mit Hilfe einer Therapeutin stellt sie ihr Leben in Frage und beginnt nach den Hintergründen in ihren vorigen Generationen zu forschen, indem sie sich mit ihrer Mutter, ihrer verstorbenen Großmutter und Urgroßmutter beschäftigt. Je weiter zurück sie in der Ahnenforschung geht, umso weniger ist bekannt und somit beginnt sie sich die möglichen Lebensgeschichten ihrer Vorfahren anhand von Fakten und Fiktionen zusammenzureimen.
Die Erzählweise finde ich gelungen, da man durch die verschiedenen Perspektiven und Zeitebenen einen Einblick in unterschiedliche Zeitzonen erhält und teilweise auch mehrere Blickwinkel kennenlernt. Im Nachhinein kann man auch die Wirkung von bestimmten Handlungen auf die nächste Generation erkennen, was natürlich in der damaligen Zeit noch nicht absehbar war. Dies finde ich als Leser*in und vor allem auch aus Sicht von Mirabelle spannend und aufschlussreich. Allen Generationen haben eine Gemeinsamkeit, dass sie sich in schwierigen Situationen zurückziehen und darüber schweigen. Wenn sie Hilfe bekommen hätten oder ein besseres soziales Netzwerk vorhanden gewesen wäre oder auch die Wahrnehmung für psychische Gesundheit, dann hätte vieles anders laufen können. Im Nachhinein ist es interessant, wenn man ein Puzzleteil verändert und dann die Wirkung über Generationen damit verändern hätte können, aber das ist leider nur in der Vorstellung möglich.
Der Roman ist keine leichte Lektüre, es überwiegen Schicksale und schwierige Themen, aber gerade dadurch wird er intensiv und emotional. Die Leseatmosphäre ist zeitweise drückend, die hellen und fröhlichen Momente sind eher in der Minderheit. Der Roman stimmt nachdenklich und regt auch noch im Nachhinein zum Reflektieren und Nachdenken an, er lässt nicht so schnell los. Wobei mir das Ende etwas zu abrupt kam, es hat mir noch etwas gefehlt. Ich habe mir am Schluss gedacht, das war es jetzt?