Trauma mit Butterfly Effect
Pauline Hatscher widmet sich in ihrem Debütroman „Über vier Leben“ dem Thema transgenerationalen Trauma und wie wichtig es nicht nur für sich selbst, sondern vor allem auch für nachfolgende Generationen ist, dieses aufzuarbeiten.
Mirabell verspürt eine tiefsitzende Einsamkeit. Sie hat keinen Partner, keine Freund:innen und findet keinen Job. Eine zeitlang konnte sie dies zwar noch auf die Pandemie schieben, doch inzwischen ist diese längst vorbei und Mirabell verbringt ihre Freizeit allein zuhause, in ihrer neuen Wahlheimat Leipzig. Mit ihrer Therapeutin spricht sie zwar über ihre Probleme, doch Antworten auf ihre Fragen findet sie auch hier keine. Um mehr Klarheit zu gewinnen, beginnt sie eine Rekonstruktion ihrer Familiengeschichte zu schreiben und stellt dabei vor allem die Frauen vor ihr in den Fokus.
Die Geschichte wird in vier Zeitebenen und Perspektiven erzählt. Wir begleiten Mirabell, Sabine (Mutter), Lisa (Großmutter) und Hannchen (Urgroßmutter) jeweils für einen bestimmten Lebensabschnitt, welcher prägend für den weiteren Lebensweg der entsprechenden Person ist. Das ist mitunter ziemlich schwere Kost. So erfahren wir beispielsweise, dass Hannchen vergewaltigt wurde, Lisa einen Suizid begeht und Sabine von ihrem Mann misshandelt, manipuliert und unterdrückt wird.
Die Idee des Romans hat mir sofort zugesagt. Transgenerationales Trauma ist ein Thema, welches mich sehr interessiert und dem (auch im fiktiven Rahmen) mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte.
Auch die Umsetzung der Idee, die Geschichte einer Familie über vier Generationen durch Frauen zu erzählen, ist gelungen.
Leider waren Schreib- und Erzählstil für mich anfangs sehr gewöhnungsbedürftig. Zu viele Sätze begannen für mein Empfinden mit "Und also" und die Kapitel waren oft so kurz, dass ich nicht das Gefühl hatte, mit der Erzählerin warm zu werden oder überhaupt zwischen den Figuren unterscheiden zu können. Im weiteren Verlauf des Buches legte sich dies zwar, dennoch blieben mir vor allem die vier Frauen allesamt etwas zu blass. Hier hätte ich mir etwas mehr Tiefe vor allem in Bezug auf die unterschiedlichen Persönlichkeiten gewünscht. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten kam ich gegen Ende des Buches in einen besseren Lesefluss und auch Hatschers Schreibstil konnte mich zum Ende hin doch noch überzeugen.
Alles in allem ein durchaus solides Debüt mit etwas Luft nach oben. Einem weiteren Buch der Autorin würde ich auf jeden Fall eine Chance geben. 3,5 Sterne
Mirabell verspürt eine tiefsitzende Einsamkeit. Sie hat keinen Partner, keine Freund:innen und findet keinen Job. Eine zeitlang konnte sie dies zwar noch auf die Pandemie schieben, doch inzwischen ist diese längst vorbei und Mirabell verbringt ihre Freizeit allein zuhause, in ihrer neuen Wahlheimat Leipzig. Mit ihrer Therapeutin spricht sie zwar über ihre Probleme, doch Antworten auf ihre Fragen findet sie auch hier keine. Um mehr Klarheit zu gewinnen, beginnt sie eine Rekonstruktion ihrer Familiengeschichte zu schreiben und stellt dabei vor allem die Frauen vor ihr in den Fokus.
Die Geschichte wird in vier Zeitebenen und Perspektiven erzählt. Wir begleiten Mirabell, Sabine (Mutter), Lisa (Großmutter) und Hannchen (Urgroßmutter) jeweils für einen bestimmten Lebensabschnitt, welcher prägend für den weiteren Lebensweg der entsprechenden Person ist. Das ist mitunter ziemlich schwere Kost. So erfahren wir beispielsweise, dass Hannchen vergewaltigt wurde, Lisa einen Suizid begeht und Sabine von ihrem Mann misshandelt, manipuliert und unterdrückt wird.
Die Idee des Romans hat mir sofort zugesagt. Transgenerationales Trauma ist ein Thema, welches mich sehr interessiert und dem (auch im fiktiven Rahmen) mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte.
Auch die Umsetzung der Idee, die Geschichte einer Familie über vier Generationen durch Frauen zu erzählen, ist gelungen.
Leider waren Schreib- und Erzählstil für mich anfangs sehr gewöhnungsbedürftig. Zu viele Sätze begannen für mein Empfinden mit "Und also" und die Kapitel waren oft so kurz, dass ich nicht das Gefühl hatte, mit der Erzählerin warm zu werden oder überhaupt zwischen den Figuren unterscheiden zu können. Im weiteren Verlauf des Buches legte sich dies zwar, dennoch blieben mir vor allem die vier Frauen allesamt etwas zu blass. Hier hätte ich mir etwas mehr Tiefe vor allem in Bezug auf die unterschiedlichen Persönlichkeiten gewünscht. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten kam ich gegen Ende des Buches in einen besseren Lesefluss und auch Hatschers Schreibstil konnte mich zum Ende hin doch noch überzeugen.
Alles in allem ein durchaus solides Debüt mit etwas Luft nach oben. Einem weiteren Buch der Autorin würde ich auf jeden Fall eine Chance geben. 3,5 Sterne