Am Abgrund

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Raf und Lou möchten Urlaub in Dänemark machen, Ferien machen sie seit ihrer Jugend zusammen. Normalerweise kommt Rafs Schwester Sophie mit, diesmal springt Nora ein. Lou freut sich auf diesen Sommer, auf die Nähe zu Raf. Ihre Begegnungen sind magisch und können im Nu wie Glas zerspringen. Raf ist gut aussehend, charismatisch, willensstark - Lou liebt alles an ihm, was ihm so gänzlich zu fehlen scheint. Während sich Lou um die Verpflegung der beiden Freunde kümmert, Croissants zaubert, Kaffee kocht, das Bad fegt und alles schön in Ordnung hält, überschreitet Raf Grenzen, die jenseits von Boshaftigkeiten und Faustschlägen liegen. Und plötzlich ist Nora verschwunden...

Puh, dieser Roman ist eine Wucht. Ich ging zunächst von einer Art Sommer-Queerness-Drama aus, aber das Ganze wird zu einem bedrohlichen Szenario wie es die im Roman genannte Patricia Highsmith nicht hätte besser zeichnen können. Wann beginnt das eigentlich so mit seelischem und körperlichem Missbrauch? Welche Persönlichkeit eignet sich so gut als Opfer und welche Rahmenbedingungen halten das Ganze am Laufen? Ann-Christin Kumm nimmt den Leser mit in einen Strudel von körperlichem Begehren und tiefer Abhängigkeit. Sie zeigt sehr schmerzlich, dass es Systeme gibt, die so perfekt funktionieren, dass sie nur von aussen zerstört werden können. Für mich ein sensationelles Debüt, das ein perfides und schwer zu greifendes Thema sensibel entfaltet. Meine Leseempfehlung!
Triggerwarnung sei hiermit ausgesprochen.