Amour fou

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luisabella Avatar

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»Ich habe mir immer mehr gewünscht, mehr und noch mehr. Er wusste das. Hat es von Anfang an gewusst, auch wenn wir nicht darüber sprachen, bis ich es ihm ins Gesicht schrie.« (127)

»ULTRAMARIN« ist der Debütroman der Autorin & Texterin Ann-Christin Kumm. Seit ihrer Teeniezeit fährt Lou jedes Jahr mit den beiden Geschwistern Raf & Sophie in einen von den beiden geplanten Sommerurlaub. Nur dieses Jahr fährt anstelle von Sophie ihre Freundin Nora mit in das abgelegene Ferienhaus im dänischen Jylland. Von Beginn an ist klar, dass hier etwas nicht stimmig ist — und es ist nicht nur auf Sophie’s Abwesenheit zurückzuführen. Von Anfang an ist die Beziehung zwischen Lou und dem Geschwisterpaar von den Klassenunterschieden, der unterschiedlichen Herkunft und Sozialisierung geprägt. In Einschüben und Rückblenden erfahren wir als Lesende mehr über Lou’s Vergangenheit und damit auch die Beziehung zu seinem offiziell besten Freund Raf und dessen Schwester. Zwischen Teeniezeit in Hamburg und Urlaubsidylle im dänischer Ferienhaus wird diese fatale Amour fou 💔 immer krasser und mit ihr die menschlichen Abgründe, die sich auftun. 🚩

»Ich blinzelte. Wahrscheinlich meinte er gar nicht, was er sagte, er wollte mich nur verletzen. Darin war er von Anfang an gut gewesen. Oder: Ich war gut darin, verletzt zu sein.« (144)

»ULTRAMARIN« ist ein perfides Spiel um Macht, Intimitäten, Manipulation, Gefühlen & Menschen … Ein Roman, der zum Pageturner wird, dessen ruhige Erzählweise in einem krassen Kontrast zu seinem Inhalt steht und der leise aber beharrlich flüstert: Hier stimmt was nicht …

Lou hat mich mit seinem devoten Verhalten richtiggehend wütend gemacht. 🥵 Ich habe so sehr gehofft, dass er es schafft, für sich einzustehen, anstatt sich J E D E S Mal selbst aufzuopfern, um es einer einzigen Person recht zu machen: Raf. Ist es Hilflosigkeit / Liebe / Abhängigkeit / fehlender Selbstschutz oder Selbstwertgefühl?

»Siehst du nicht, dass du nervst.
Das Problem war, dass ich es sehr wohl sah. Ich ging mir selbst auf die Nerven, ohne dass ich etwas daran hätte ändern können. Ich wusste einfach nicht, wie das ging.« (145)

Ein Roman, der mich emotional sehr gepackt hat und mich dadurch durch die Seiten hat fliegen lassen. Ein Roman über CoA, Queerness, Liebe und Hass, und eine dramatische Amour fou 💔 Der Roman hallt nach, und auch wenn mir das Ende zu abrupt war, würde ich ihn definitiv empfehlen. (Dennoch würde ich eine Triggerwarnung durchaus sinnvoll finden …)