Atmosphärisch
Ann-Christin Kumms Debütroman „Ultramarin“ ist weit mehr als eine sommerliche Urlaubsgeschichte. Schon die ersten Zeilen katapultieren uns in eine Szenerie, die jede Hoffnung auf ein klassisches Happy End im Keime erstickt: Ein lebloser Körper in einem Ferienhaus bildet den düsteren Rahmen für eine Reise in die Vergangenheit und in die Abgründe menschlicher Nähe.
Das Cover und die Aufmachung wirken durch den Titel „Ultramarin“ zunächst kühl und tiefgründig. Der Name ist Programm: Die Farbe steht für die Weite des Meeres, aber auch für die Kälte und die Tiefe, in der man leicht den Orientierungspunkt verlieren kann.
Die Geschichte folgt Lou und seinem charismatischen, aber manipulativen Freund Raf sowie der hinzugekommenen Nora auf einem Trip an die dänische Küste. Die Umsetzung besticht durch einen geschickten Wechsel zwischen der aktuellen, spannungsgeladenen Situation im Ferienhaus und Rückblenden in die gemeinsame Schulzeit der Protagonisten ab 2010. Besonders interessant ist, wie die Autorin die Abwesenheit von Rafs Schwester Sophie nutzt, um das bestehende Machtgefüge ins Wanken zu bringen. Das Thema der toxischen Ergebenheit wird hier meisterhaft ausgeleuchtet: Lou braucht Raf wie die Luft zum Atmen, obwohl dieser ihn oft herablassend behandelt.
Kumms Schreibstil ist präzise, fast schon sezierend. Sie schafft es, alltägliche Handlungen wie das Drehen einer Zigarette mit einer Bedeutung aufzuladen, die die tiefe Abhängigkeit des Erzählers spürbar macht. Die Figuren wirken dabei erschreckend authentisch. Lou ist kein strahlender Held, sondern ein unsicherer junger Mann, dessen soziale Herkunft im krassen Gegensatz zum Villen-Lifestyle von Raf und Sophie steht. Raf wiederum verkörpert jene gefährliche Sorte Mensch, die ihre Zuneigung nur häppchenweise verteilt, um die Kontrolle zu behalten.
Für mich liegt der Reiz in der psychologischen Präzision. Kumm, die in Berlin lebt und als Gärtnerin sowie Texterin arbeitet, beweist ein feines Gespür für die „schimmernde Ambivalenz zwischen Begehren und Verachtung. Es ist kein Buch, das man liest, um sich zu entspannen, sondern eines, das durch seine erotisch flirrende Unbehaglichkeit besticht.
Ideal für Leser*innen von literarischen Psychogrammen und Fans von Romanen, die die Abgründe hinter einer schönen Fassade erkunden.
Das Cover und die Aufmachung wirken durch den Titel „Ultramarin“ zunächst kühl und tiefgründig. Der Name ist Programm: Die Farbe steht für die Weite des Meeres, aber auch für die Kälte und die Tiefe, in der man leicht den Orientierungspunkt verlieren kann.
Die Geschichte folgt Lou und seinem charismatischen, aber manipulativen Freund Raf sowie der hinzugekommenen Nora auf einem Trip an die dänische Küste. Die Umsetzung besticht durch einen geschickten Wechsel zwischen der aktuellen, spannungsgeladenen Situation im Ferienhaus und Rückblenden in die gemeinsame Schulzeit der Protagonisten ab 2010. Besonders interessant ist, wie die Autorin die Abwesenheit von Rafs Schwester Sophie nutzt, um das bestehende Machtgefüge ins Wanken zu bringen. Das Thema der toxischen Ergebenheit wird hier meisterhaft ausgeleuchtet: Lou braucht Raf wie die Luft zum Atmen, obwohl dieser ihn oft herablassend behandelt.
Kumms Schreibstil ist präzise, fast schon sezierend. Sie schafft es, alltägliche Handlungen wie das Drehen einer Zigarette mit einer Bedeutung aufzuladen, die die tiefe Abhängigkeit des Erzählers spürbar macht. Die Figuren wirken dabei erschreckend authentisch. Lou ist kein strahlender Held, sondern ein unsicherer junger Mann, dessen soziale Herkunft im krassen Gegensatz zum Villen-Lifestyle von Raf und Sophie steht. Raf wiederum verkörpert jene gefährliche Sorte Mensch, die ihre Zuneigung nur häppchenweise verteilt, um die Kontrolle zu behalten.
Für mich liegt der Reiz in der psychologischen Präzision. Kumm, die in Berlin lebt und als Gärtnerin sowie Texterin arbeitet, beweist ein feines Gespür für die „schimmernde Ambivalenz zwischen Begehren und Verachtung. Es ist kein Buch, das man liest, um sich zu entspannen, sondern eines, das durch seine erotisch flirrende Unbehaglichkeit besticht.
Ideal für Leser*innen von literarischen Psychogrammen und Fans von Romanen, die die Abgründe hinter einer schönen Fassade erkunden.