Bis ins Unerträgliche

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Für Lou gibt es nur Raf. Seit der Schulzeit dreht sich Lou und sein ganzes Leben um diesen anderen Menschen, der ihn wie Dreck behandelt. So manches Mal versucht Lou sich zu lösen, gewinnt Abstand, nur um wieder von Raf eingefangen zu werden. Dann kommt es zu einem schicksalhaften Sommerurlaub, den die ferne Bekannte Nora begleitet.
"Ultramarin" von Ann-Christin Kumm war unerträglich. Ich habe schon lange nicht mehr ein so schmerzhaftes Buch gelesen. Lou liebt Raf so sehr. Raf weiß es und nutzt es mit Vergnügen aus und zerstört Lou so immer weiter, ganz bewusst. Und auch Lou sieht das manchmal, kann sich aber dennoch nicht entziehen, egal wie fies Rafs Sprüche sind, egal wie schlimm er Lou behandelt, egal wie sehr Lou sich selbst droht zu verlieren.
Und man ahnt, da brodelt es. Man ahnt, dass da noch viel mehr in der Vergangenheit passiert ist. Mit jedem Rückblick erfährt man ein kleines Stückchen mehr von dieser toxischen Beziehung und aufgrund des Prologs ist von Beginn an klar, dass es nicht gut enden wird. Trotzdem hat der Schluss mich überrascht.
Ann-Christin Kumms Stil empfand ich als sehr passend für die Thematik: Sie schildert kompromisslos, schnörkellos, in vielen Dialogen, wobei Lou oft schweigt und erträgt. Sie schafft es, mit wenigen Worten die Figuren zu zeichnen und Emotionen zu wecken, was ich sehr beeindruckend fand. Außerdem bringt es einen auf eigenartige Weise dazu, die eigenen Beziehungsstrukturen zu hinterfragen.
Nun werde ich ein paar Tage oder eher Wochen brauchen, um dieses Debüt zu verarbeiten. Es wird noch lange nachhallen, da bin ich sicher.