Charakterstudie mit Spannung

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gracejones Avatar

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„Ultramarin“, das Debüt von Ann-Christin Krumm beginnt wie ein Krimi. Ich mag keine Krimis. Das Buch hat mich dennoch mit seinen lebendigen Charakteren, dem feinen Stil und den gekonnt gesetzten Zwischentönen in seinen Bann gezogen. Wir erleben die Handlung aus der Perspektive von Lou, der uns in seinem Bewusstseinsstrom mit ins Ferienhaus seines Freundes/Liebhabers Raf in der Gegenwart sowie in die Zeit von vor ein paar Jahren nimmt, in die Anfänge der Beziehung zu Raf und durch die Jahre mit ihm. Besonders eindrücklich lässt die Autorin durch Nuancen, Dialoge, Gesten ihre Charaktere schillern. Es zeigt sich subtil, aber deutlich, nach und nach das komplexe Beziehungsgeflecht zwischen Raf und Lou und den Personen in ihrer Umgebung. Als Leser sind wir in Lous Gedanken, werden aber immer wieder aus ihnen herausgeworfen, zweifeln, sind erleichtert oder beunruhigt - mal mit ihm, mal an seiner Stelle. Ich würde das Buch als Menschenstudie lesen. Die Handlung ist spannend, nimmt Fahrt auf und hat einen Höhepunkt, den manche überraschend finden werden. Rückblickend kann man feine Hinweise auf dem Weg finden. Ein sehr vielschichtiges Buch, das lange nachklingt.