Die Farbe des Abgrunds

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sophel Avatar

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Die Geschichte saugt einen von der ersten Seite an in sich hinein und lässt einen erst los, wenn die letzte Seite gelesen ist. Und selbst dann lässt sie einen nicht wirklich gehen.
Der Roman wechselt zwischen Gegenwart und Vergangenheit: In der Gegenwart verbringt Lou den Sommerurlaub mit seinem besten Freund Raf. Diesmal ohne Rafs Schwester Sophie, dafür mit ihrer Freundin Nora, die das vertraute Gefüge von Grund auf durcheinanderbringt. Die Vergangenheitsstränge zeigen, wie das toxische Band zwischen Lou und Raf entstanden ist und wie es sich Stück für Stück enger geknüpft hat. Dieses Wechselspiel macht die kranke Dynamik zwischen den beiden so greifbar und beklemmend.
Ultramarin ist kein Buch, das es einem leicht macht. Es lässt die Nackenhaare zu Berge stehen und trotzdem ist es unmöglich, es aus der Hand zu legen. Fast jede*r Leser*in wird sich in diesen stillen Machtverschiebungen wiederfinden und eigene Beziehungskonzepte neu hinterfragen. Dass alle Figuren queer sind, ist dabei kein aufgesetztes Merkmal, sondern fühlt sich selbstverständlich und richtig an.
Kumms Schreibstil braucht am Anfang etwas Eingewöhnung, entfaltet aber schnell eine außergewöhnliche Kraft. Besonders in der Art, wie sie Gefühle und Situationen in Worte fasst. Für ein Debüt ist das bemerkenswert stark.
Das Ende wirkt im Vergleich zu allem Vorherigen etwas gehetzt. Die starken Gefühle und die Spannung, die über den ganzen Roman aufgebaut wurden, finden dort nicht ganz den Abschluss, den sie verdient hätten. Das schmälert den Gesamteindruck aber kaum.
Fazit: Anziehend, abgründig und unvergesslich. Unbedingte Leseempfehlung.