Ein spannungsreicher Urlaub mit Folgen

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herrfabel Avatar

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"Der leblose Körper ruht dicht vor dem Holzstapel, die Augen zur Decke gerichtet, leer. Der Mund steht leicht offen. Halb Lächeln, halb Verblüffung. Ein Arm ist in einem seltsamen Winkel abgespreizt [...] Sie hätte nicht mitkommen dürfen. Ich hätte das nicht zulassen dürfen. Hinterher weiß man so etwas."

Vielleicht hat es sich auch schon vorher angebahnt und Lou wollte es einfach nicht wahrhaben? "Der leblose Körper..." so beginnt dieser toxisch aufgeladene Beziehungs-/Spannungsroman Ultramarin von Ann-Christin Kumm. Eigentlich war alles anders geplant, Lou und sein Freund Raf, dessen Schwester Sophie und Nora, eine Freundin von ihr, wollten gemeinsam Urlaub an der dänischen Küste machen. Doch Sophie ist kurzfristig abgesprungen und so fahren sie nun zu dritt, zum Ferienhaus von Rafs Familie. Zunächst ein sehr unbeschwertes Bild, die Wellen, die Idylle, das Kennenlernen... doch mit jeder weiteren Seite bekommt die Fassade Risse, in Rückblenden lernen wir Lous und Rafs Geschichte kennen, ihre Liebe und Schulzeit, erfahren von den früheren gemeinsamen Urlauben und von Jakob. Es entsteht eine toxische Dynamik oder war sie schon immer da? Und als Nora dann plötzlich eines Nachmittags verschwindet... bei dem Anfang?

Insgesamt ist es ein wohlkonstruierter, sehr aufgeladener Roman mit mehreren Spannungsbögen und ergänzenden Rückblenden. Eigentlich ein sehr geschickt gemachter Text, denn durch das vorweggenommene Unglück wird man als Leser*in sofort mitgerissen, stellt Vermutungen auf und versucht Entwicklungen zu deuten. Auch dass Lou, keine weibliche Protagonistin ist, habe ich erst recht spät verstanden, was mich irgendwie noch immer fasziniert. Und so habe ich dann auch lange über diesen Roman und seine Wendungen, wie Handlungen nachgedacht, was leider nicht immer positiv war... Die Dynamik zwischen den Figuren fand ich sehr spannend, teils hat mich dieses Buch an In blaukalter Tiefe von Kristina Hauff erinnert, nur eben mit einem Haus, statt einem Boot. Vergleichend fand ich diese Geschichte, dann deutlich besser, die Machtverhältnisse und Ungleichheiten interessanter beschrieben, das Austesten der Grenzen zwischen den einzelnen Figuren nicht ohne, aber inhaltlich harkte es für mich an so einigen Stellen. Schon zu Beginn wunderte ich mich über die Konstellation der Gruppe: Würde man als Frau mit zwei, beinahe fremden Typen in den Urlaub fahren? Auch im weiteren Verlauf (ich möchte nun nichts vorweg nehmen) fand ich es sehr fraglich, dass XY nichts von den beschriebenen, einschneidenden Erlebnissen mitbekommen hat oder eingeschritten ist, nichts näher hinterfragt hat, scheinbar nichts zu hören war oder oder. Das hat mich schon beim Lesen wahnsinnig genervt und zeitgleich fühlte ich mich so mitgerissen, dass ich unbedingt wissen wollte, wie dieser Roman ausgeht und auf welchen Höhepunkt diese toxische Beziehungsdynamik zusteuert. Und dann das Ende... naja.
Kurz gesagt: ich hab Ultramarin irgendwie gern gelesen, es ist ein toller, unterhaltsamer Spannungsroman mit so einigen Abzügen. Es ist kein Lieblingsbuch geworden, aber so als Strandlektüre oder zwischendurch kann man´s schon mal lesen.