Kurzweiliger Coming-of-Age Thriller

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billaschmitz Avatar

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Das Roman Debüt von Ann-Christin Kumm ist ein kleines Juwel auf schlanken 224 Buchseiten. Es ist aus der Sicht von Lou geschrieben, einem jungen, verloren wirkenden stillen Mann, der in und mit einer besonderen Beziehung zu Raf, dem selbstbewussten Sunnyboy lebt. Die beiden kennen sich schon seit Schultagen und ihre Freundschaft ist bestenfalls als ungleich zu bezeichnen. Die unterschiedlichen Machtgefälle zeigen sich schon auf den ersten Seiten und man bekommt sehr schnell eine Ahnung, dass man auf ein Drama zusteuert. Dabei startet es mit einem gemeinsamen Urlaub mit Nora, einer Freundin von Rafaels Schwester, die selber spontan nicht dabei ist,dennoch aber präsent bleibt. Die Geschichte ist wunderschön geschrieben, leicht verträumt und mit vielen Gedanken Lous, die durchaus auch eine gewisse Komik beinhalten. Man erfährt einiges aus der Vergangenheit von Lou und Raf,bekommt aber nicht ganz zu packen,warum die Personen so sind, wie sie sind. Raf bleibt bis zum Ende ein Possesor und Aggressor, Lou dagegen von Grund auf dependent und die beiden Mädels im Hintergrund. Auf den letzten Seiten passieren zwar z.T. erwartete, aber auch noch wirklich unerwartete Dinge, die aber für meinen Geschmack auf einmal zu schnell gingen. Hier wäre es toll gewesen, wenn sich die Autorin etwas mehr Zeit genommen hätte, um das Ganze weiterhin so einfühlsam aufzulösen, wie sie die ganze Zeit geschrieben hat. Besonders ein weiblicher Charakter war mir zu ambivalent und abgeklärt in der Situation. Ich hätte mir auch gewünscht, dass die unheilvolle Story mit dem Haus irgendwie aufgeklärt worden wäre, entweder habe ich es überlesen oder es bleibt diffus. Aber: die Geschichte ist in den überwiegenden (!) Passagen sehr stark, sehr bewegend und sehr kurzweilig, weswegen ich für alle Fans von Coming-ofAge-Romanen und anspruchsvollen Thrillern eine Empfehlung ausspreche.