spannender Roman mit interessanten Ansätzen und leichten Schwächen

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern Leerer Stern
tian Avatar

Von

Der Debütroman Ultramarin von Ann-Christin Kumm verspricht eine intensive Auseinandersetzung mit Themen wie Queerness, Macht und zwischenmenschlicher Abhängigkeit – und genau darin liegt auch seine größte Stärke. Die Beziehung zwischen Lou, Raf und Nora ist von Beginn an von einer schwebenden Ambivalenz geprägt, die sich im Laufe der Handlung zunehmend verdichtet. Die sommerliche Kulisse an der dänischen Küste bildet dabei einen reizvollen Kontrast zu den emotionalen Spannungen und unterschwelligen Konflikten.

Besonders gelungen ist die Darstellung der Dynamik innerhalb der Dreierkonstellation. Die Figuren bewegen sich ständig zwischen Anziehung, Unsicherheit und Manipulation, was eine unterschwellige Spannung erzeugt. Immer wieder stellt sich die Frage nach Machtverhältnissen und emotionaler Abhängigkeit, wodurch das Geschehen eine psychologische Tiefe erhält.

Allerdings wird das Leseerlebnis durch den gewählten Schreibstil deutlich erschwert. Die Ich-Perspektive wirkt auf Dauer eintönig und kann stellenweise sogar ermüdend sein, da sie wenig Abstand zur Hauptfigur zulässt. Dadurch fällt es schwer, die Ereignisse klar einzuordnen oder sich vollständig auf die Handlung einzulassen. Hinzu kommt, dass Dialoge nicht immer klar erkennbar sind, was den Lesefluss zusätzlich beeinträchtigt.

Auch die Zeitsprünge und die komplexe Beziehung zwischen den drei Figuren tragen dazu bei, dass die Geschichte teilweise verworren wirkt. Obwohl genau darin auch ein gewisser Reiz liegt, hätte eine klarere Struktur dem Roman gutgetan und sein vorhandenes Potenzial besser zur Geltung gebracht.