Toxische Anziehung
Meine Meinung
Ich war aufgrund des Klappentextes neugierig auf "Ultramarin". Das Setting mit Ferienhaus am Meer und sommerlichen Stimmung klang erstmal sehr vielversprechend. Ich hatte das Gefühl, dass es ein ruhiger, vielleicht etwas poetischer Roman mit ein paar kleinen Geheimnissen wird. Diese Erwartung wurde auch teilweise erfüllt – vor allem, was die Atmosphäre angeht. Die Beschreibungen von Hitze, Meer und dem Ferienhaus fand ich wirklich gelungen, ich konnte mich gut hineinversetzen.
Gleichzeitig hat sich aber relativ schnell gezeigt, dass unter dieser Oberfläche ziemlich viel Spannung steckt. Die "Beziehung" zwischen Lou und Raf war für mich dabei der zentrale Punkt und auch unerträglich beinahe zu lesen. Die toxische Art von Raf, die Situationen aus denen man Lou am liebsten herausziehen möchte. Lou liebt Raf so sehr und gibt sich immer mehr auf. Lou ist unsicher, teilweise panisch wenn Raf nicht in seiner Nähe ist / verschwindet. Raf ist narzisstisch und manipulativ und sieht Lou als Besitz. Er macht sich Späße aus der Panik von Lou.
Eigentlich wäre Sophie, Rafs Schwester mit in den Urlaub gefahren, nun fährt nur Nora, ihre Freundin mit und mit Nora verändert sich für mich die ganze Stimmung noch einmal. Durch sie gerät alles aus dem Gleichgewicht, und die ohnehin schon fragile Situation kippt langsam. Spätestens als Nora verschwindet, bekommt die Geschichte für mich eine ganz andere Qualität. Wie ein düsterer Schleier der sich ausbreitet.
Es werden immer wieder Handlungsstränge aus der Vergangenheit gezeigt, was ich sehr positiv fand. Mit jedem Rückblick erfährt man ein mehr von dieser toxischen Beziehung und aufgrund des Prologs bereits klar, dass es nicht gut enden wird.
Die Geheimnisse, die verdrängt wurden, und ans Licht gekommen sind haben zusätzlich für Spannung gesorgt. Das Ende war überraschend!
Die Thematik / der Abschnitt mit dem Brand, die dann doch keine Rolle mehr gespielt zu haben schien, hat für mich Fragezeichen aufgeworfen.
Der Schreibstil ist angenehm zu lesen, die Sätze knapp und direkt und dies trägt viel zur Stimmung bei.
Insgesamt ist "Ultramarin" für mich ein solides Buch mit starken Momenten, vor allem was die Stimmung und die Darstellung von zwischenmenschlichen Abhängigkeiten angeht.
Klappentext
Die Sommer gehören Lou und seinem charismatischen Freund Raf, dessen Anziehungskraft sich niemand entziehen kann, am allerwenigsten Lou. Doch diesmal ist es anders: Auch die blonde Nora steigt mit ins Auto an die dänische Küste. In einem alten Ferienhaus in den Dünen leben die drei in den Tag hinein, springen in die Wellen, rauchen, kochen, streichen umeinander herum. Was von außen wie ein unbeschwerter Urlaub scheint, eröffnet in dieser neuen Konstellation langsam dunkle Abgründe. Lou ist sich auf einmal nicht mehr sicher: Will Raf noch seine Nähe oder verachtet er ihn für seine Ergebenheit? Und warum verschwindet Nora eines Nachmittags ohne ein Wort?
Über die Autorin
Ann-Christin Kumm Ann-Christin Kumm arbeitet als Gärtnerin und Texterin und lebt in Berlin. "Ultramarin" ist ihr erster Roman. (Quelle Hanser)
Ich war aufgrund des Klappentextes neugierig auf "Ultramarin". Das Setting mit Ferienhaus am Meer und sommerlichen Stimmung klang erstmal sehr vielversprechend. Ich hatte das Gefühl, dass es ein ruhiger, vielleicht etwas poetischer Roman mit ein paar kleinen Geheimnissen wird. Diese Erwartung wurde auch teilweise erfüllt – vor allem, was die Atmosphäre angeht. Die Beschreibungen von Hitze, Meer und dem Ferienhaus fand ich wirklich gelungen, ich konnte mich gut hineinversetzen.
Gleichzeitig hat sich aber relativ schnell gezeigt, dass unter dieser Oberfläche ziemlich viel Spannung steckt. Die "Beziehung" zwischen Lou und Raf war für mich dabei der zentrale Punkt und auch unerträglich beinahe zu lesen. Die toxische Art von Raf, die Situationen aus denen man Lou am liebsten herausziehen möchte. Lou liebt Raf so sehr und gibt sich immer mehr auf. Lou ist unsicher, teilweise panisch wenn Raf nicht in seiner Nähe ist / verschwindet. Raf ist narzisstisch und manipulativ und sieht Lou als Besitz. Er macht sich Späße aus der Panik von Lou.
Eigentlich wäre Sophie, Rafs Schwester mit in den Urlaub gefahren, nun fährt nur Nora, ihre Freundin mit und mit Nora verändert sich für mich die ganze Stimmung noch einmal. Durch sie gerät alles aus dem Gleichgewicht, und die ohnehin schon fragile Situation kippt langsam. Spätestens als Nora verschwindet, bekommt die Geschichte für mich eine ganz andere Qualität. Wie ein düsterer Schleier der sich ausbreitet.
Es werden immer wieder Handlungsstränge aus der Vergangenheit gezeigt, was ich sehr positiv fand. Mit jedem Rückblick erfährt man ein mehr von dieser toxischen Beziehung und aufgrund des Prologs bereits klar, dass es nicht gut enden wird.
Die Geheimnisse, die verdrängt wurden, und ans Licht gekommen sind haben zusätzlich für Spannung gesorgt. Das Ende war überraschend!
Die Thematik / der Abschnitt mit dem Brand, die dann doch keine Rolle mehr gespielt zu haben schien, hat für mich Fragezeichen aufgeworfen.
Der Schreibstil ist angenehm zu lesen, die Sätze knapp und direkt und dies trägt viel zur Stimmung bei.
Insgesamt ist "Ultramarin" für mich ein solides Buch mit starken Momenten, vor allem was die Stimmung und die Darstellung von zwischenmenschlichen Abhängigkeiten angeht.
Klappentext
Die Sommer gehören Lou und seinem charismatischen Freund Raf, dessen Anziehungskraft sich niemand entziehen kann, am allerwenigsten Lou. Doch diesmal ist es anders: Auch die blonde Nora steigt mit ins Auto an die dänische Küste. In einem alten Ferienhaus in den Dünen leben die drei in den Tag hinein, springen in die Wellen, rauchen, kochen, streichen umeinander herum. Was von außen wie ein unbeschwerter Urlaub scheint, eröffnet in dieser neuen Konstellation langsam dunkle Abgründe. Lou ist sich auf einmal nicht mehr sicher: Will Raf noch seine Nähe oder verachtet er ihn für seine Ergebenheit? Und warum verschwindet Nora eines Nachmittags ohne ein Wort?
Über die Autorin
Ann-Christin Kumm Ann-Christin Kumm arbeitet als Gärtnerin und Texterin und lebt in Berlin. "Ultramarin" ist ihr erster Roman. (Quelle Hanser)