Zwischen Anziehung und Manipulation -Toxische Nähe in Ultramarin
Mit Ultramarin legt Ann-Kristin Krumm einen Roman vor, der sich um die Dynamiken einer Dreiecksbeziehung entfaltet und dabei psychologische Abhängigkeiten ebenso in den Blick nimmt wie die fragile Suche nach Nähe und Selbstbehauptung.
Im Zentrum der Handlung steht der Ich-Erzähler Lou, dessen Beziehung zu Raf von Beginn an von einem ambivalenten Machtgefälle geprägt ist. Zwischen Anziehung und Unterordnung entwickelt sich eine Beziehungskonstellation, die von latenter Spannung und emotionaler Instabilität durchzogen ist.
Komplettiert wird dieses Gefüge in der Jugend durch die Figur Jakob, über die in Rückblenden erzählt wird, und in der Gegenwart durch Nora, die zwar präsent ist, jedoch lange Zeit nur schemenhaft umrissen bleibt. Gerade diese Unschärfe trägt dazu bei, dass sich die Dynamik zwischen den Figuren nicht eindeutig festlegen lässt.
Auffällig ist dabei, wie unterschiedlich der Identifikationsprozess beim Lesen verlaufen kann. Während der Text offenkundig auf eine emotionale Annäherung an Lou angelegt ist, bleibt diese Identifikation nicht zwingend. Rafs Verhalten erscheint ausgesprochen dominant und entfaltet eine deutlich manipulative Wirkung, die seine Beziehung zu Lou in ein problematisches Licht rückt. Lous Reaktion darauf – seine Bereitschaft, sich ihm nahezu hörig unterzuordnen – wirkt stellenweise irritierend und ruft eher Mitleid als Verständnis hervor.
Diese Distanz zum Protagonisten beeinflusst zwangsläufig auch die Leserbindung.
Auch Nora bleibt lange eine schwer greifbare Figur. Da über sie zunächst nur fragmentarisch erzählt wird, bleibt ihre Rolle innerhalb der Beziehungskonstellation unklar. Gerade diese narrative Zurückhaltung kann jedoch auch als bewusst eingesetztes Mittel gelesen werden, das die Spannung des Textes verstärkt. Die Figuren erscheinen weniger als stabile Identifikationsangebote denn als Projektionsflächen komplexer emotionaler Verhältnisse.
Sprachlich präsentiert sich der Roman in einer klaren, gut lesbaren (Unterhaltungs-)Prosa. Der Text liest sich sehr flüssig und orientiert sich in seiner Anlage durchaus an den Konventionen spannungsorientierter Unterhaltungsliteratur. Für Leser*Innen mit stärker literarischem Erwartungshorizont könnten manche Passagen sowie der Plot etwas anspruchsvoller gestaltet sein. Gleichwohl gelingt es dem Roman, durch sein erzählerisches Tempo und die emotional aufgeladene Figurenkonstellation zu fesseln.
Besonders gelungen sind die eingestreuten Rückblenden, die nach und nach zusätzliche Perspektiven auf die Figuren eröffnen. Sie erweitern den erzählerischen Horizont und werfen zugleich neue Fragen auf. Die Vergangenheit erscheint dabei als entscheidender Schlüssel zum Verständnis der gegenwärtigen Beziehungen und Jakob trägt als Sympathieträger dazu bei. So entwickelt Ultramarin seine Wirkung weniger über psychologische Identifikation als über ein dauerhaftes Spannungsgefühl.
Fazit: Auch wenn der Text literarisch noch stärker ausdifferenziert sein könnte, erweist sich Ultramarin als gut lesbare und unterhaltsame Lektüre.
Ein Roman, der toxische Beziehungen nicht auflöst, sondern ihre Ambivalenzen sichtbar macht – und gerade dadurch Spannung erzeugt.
Im Zentrum der Handlung steht der Ich-Erzähler Lou, dessen Beziehung zu Raf von Beginn an von einem ambivalenten Machtgefälle geprägt ist. Zwischen Anziehung und Unterordnung entwickelt sich eine Beziehungskonstellation, die von latenter Spannung und emotionaler Instabilität durchzogen ist.
Komplettiert wird dieses Gefüge in der Jugend durch die Figur Jakob, über die in Rückblenden erzählt wird, und in der Gegenwart durch Nora, die zwar präsent ist, jedoch lange Zeit nur schemenhaft umrissen bleibt. Gerade diese Unschärfe trägt dazu bei, dass sich die Dynamik zwischen den Figuren nicht eindeutig festlegen lässt.
Auffällig ist dabei, wie unterschiedlich der Identifikationsprozess beim Lesen verlaufen kann. Während der Text offenkundig auf eine emotionale Annäherung an Lou angelegt ist, bleibt diese Identifikation nicht zwingend. Rafs Verhalten erscheint ausgesprochen dominant und entfaltet eine deutlich manipulative Wirkung, die seine Beziehung zu Lou in ein problematisches Licht rückt. Lous Reaktion darauf – seine Bereitschaft, sich ihm nahezu hörig unterzuordnen – wirkt stellenweise irritierend und ruft eher Mitleid als Verständnis hervor.
Diese Distanz zum Protagonisten beeinflusst zwangsläufig auch die Leserbindung.
Auch Nora bleibt lange eine schwer greifbare Figur. Da über sie zunächst nur fragmentarisch erzählt wird, bleibt ihre Rolle innerhalb der Beziehungskonstellation unklar. Gerade diese narrative Zurückhaltung kann jedoch auch als bewusst eingesetztes Mittel gelesen werden, das die Spannung des Textes verstärkt. Die Figuren erscheinen weniger als stabile Identifikationsangebote denn als Projektionsflächen komplexer emotionaler Verhältnisse.
Sprachlich präsentiert sich der Roman in einer klaren, gut lesbaren (Unterhaltungs-)Prosa. Der Text liest sich sehr flüssig und orientiert sich in seiner Anlage durchaus an den Konventionen spannungsorientierter Unterhaltungsliteratur. Für Leser*Innen mit stärker literarischem Erwartungshorizont könnten manche Passagen sowie der Plot etwas anspruchsvoller gestaltet sein. Gleichwohl gelingt es dem Roman, durch sein erzählerisches Tempo und die emotional aufgeladene Figurenkonstellation zu fesseln.
Besonders gelungen sind die eingestreuten Rückblenden, die nach und nach zusätzliche Perspektiven auf die Figuren eröffnen. Sie erweitern den erzählerischen Horizont und werfen zugleich neue Fragen auf. Die Vergangenheit erscheint dabei als entscheidender Schlüssel zum Verständnis der gegenwärtigen Beziehungen und Jakob trägt als Sympathieträger dazu bei. So entwickelt Ultramarin seine Wirkung weniger über psychologische Identifikation als über ein dauerhaftes Spannungsgefühl.
Fazit: Auch wenn der Text literarisch noch stärker ausdifferenziert sein könnte, erweist sich Ultramarin als gut lesbare und unterhaltsame Lektüre.
Ein Roman, der toxische Beziehungen nicht auflöst, sondern ihre Ambivalenzen sichtbar macht – und gerade dadurch Spannung erzeugt.