Ein Umzug mit gravierenden Folgen

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dieunterhoferin Avatar

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Cover & optische Gestaltung des Buchs:
Das Buchcover gefällt mir gut, es sieht süß aus und zeigt quasi mehrere Szenen. Die Herzen deuten darauf hin, dass, neben dem Thema Essstörung, auch Liebe ein Thema sein wird. Die Papierherzen bekommen im Laufe der Geschichte noch eine weitere Bedeutung. In der 1. Auflage hat das Buch zudem einen sehr süßen Farbschnitt in Rosa mit roten Herzchen, sowie einen beiliegenden Stickerbogen.

Handlung:
Mila lebt mit ihrer Familie in einer Villa auf einem großen Grundstück am Wannsee. Ihre beste Freundin Juno und deren Mutter (die auch die beste Freundin von Milas Mutter ist), leben in einem Nebenhaus auf dem gleichen Grundstück. Milas Welt gerät aber ordentlich aus den Fugen, als sie mit ihren Eltern, aufgrund eines Jobangebots ihrer Mutter, nach Zürich ziehen muss. Mila vermisst ihre beste Freundin, ist einsam und tröstet sich mit Essen. Als sich das äußerlich bemerkbar macht, sucht Mila online nach Abnehmtipps und gerät dabei in die Spirale einer Essstörung. Nach einem Zusammenbruch landet sie unfreiwillig in einer Klinik. Dort trifft auf Nicolas und verliebt sich in ihn. Doch Nicolas hat ein Geheimnis und es entwickelt sich eine verbotene Liebe…

Schreibstil & Spannungsaufbau:
Erzählt die Geschichte aus dem Blick der 16-Jährigen Mila. Die Autorin schafft es meiner Meinung nach gut ihrer Protagonistin eine sehr authentische Stimme zu geben. Der Schreibstil locker, leicht und gut verständlich, schafft es dabei aber gleichzeitig wichtige und ernstzunehmende Themen anzusprechen. Die Autorin schreibt sehr bewegend und berührend. Man leidet richtig mit Mila mit und kann sich in sie hinein fühlen. Die Beschreibungen ihres Leidenswegs gehen an die Nieren. Dadurch wird der Text spannend und zieht einen von Anfang an in den Bann. Das Buch startet mit einem Prolog, der eigentliche in Blick in die Zukunft ist und aus dem hervorgeht, dass Mila sich in einer Klinik befindet und im Begriff ist etwas Verbotenes zu tun. Danach startet das Buch in der Zeit vor dem lebensverändernden Umzug, als Mila noch in Berlin lebt.

Charaktere:
Die Charaktere sind gut getroffen und erzeugen beim Lesen Gefühle. Mila, als Erzählerin der Geschichte, ist daher die zentralste Figur des Buchs. Mila ist ein sehr gefühlvoller Mensch, eher schüchtern, liebt das heile Familienleben, das sie am Wannsee führt, und kämpft anfangs mit typischen, aber doch eher harmlosen Teenager-Problemen. Der Umzug in die Schweiz trifft sie hart und für sie bricht eine Welt zusammen, da sie aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen wird. In der Schweiz sieht sich Mila mit einer neuen Lebensrealität konfrontiert, die sehr belastend für sie ist und sie in eine emotionale Abwärtsspirale führt.
Auch Milas Eltern sind haben sich den Umzug und das neue Leben schöner vorgestellt, als es tatsächlich ist. Die Mutter ist nur am Arbeiten, der Vater findet seinen eigenen fatalen Weg mit seiner Einsamkeit umzugehen. Milas Wohl gerät dabei aus dem Blick.
Weitere wichtige Personen des Romans sind Juno, Milas beste Freundin in Berlin, und Nicolas, der Junge, den sie in der Klinik kennenlernt.
Im Laufe des Buchs kann man Milas Wandlung und Entwicklung toll beobachten und begleiten. Besonders gut beschrieben wird meiner Ansicht nach wie Mila mit sich selbst ringt und schwankt. Man sieht zudem sowohl an ihr, als auch an ihrem Vater, was Einsamkeit alles auslösen kann und wie wichtig Mental Health ist, besonders in unsicheren Zeiten bzw. Zeiten größer Veränderungen.

Meinung & Fazit:
„Und alles zerbricht“ ist der Debütroman von Maxine Reuker und der 1. Band der Paper Hearts-Reihe.
Die Autorin schreibt mitreißend und spannend. Die Abwärtsspirale und die Emotionen der Hauptfigur werden glaubhaft beschrieben und berühren. Dass die Autorin das Thema Mental Health stark in den Vordergrund der Geschichte bringt, finde ich toll. Maxine Reuker beschönigt dabei nichts, sondern schreibt offen über Essstörung und deren Auswirkungen, sowie Einsamkeit, Selbstisolation und das Gefühl die Kontrolle zu verlieren. Ich habe mir während des Lesens etliche Stellen markiert, die mir gut gefallen habe. Besonders folgenden Satz fand ich sehr schön, weil er gut verdeutlicht, wie wichtig es ist über die eigenen Gefühle zu reden:

„Als ich die Tür hinter dem Therapieraum schloss, hatte ich das Gefühl zehn Kilo leichter zu sein. Ich fühlte mich befreit, es tat so gut, es endlich alles ausgesprochen zu haben.“

„Und alles zerbricht“ hat mir insgesamt sogar noch besser als erwartet gefallen und ist für mich ein Highlight. Das Buch kann ich daher nur sehr empfehlen, vor allem wenn man packende Geschichten zum Thema mentaler Gesundheit schätzt. Ich freue mich bereits jetzt auf die Folgebände und bin gespannt, wie es weitergeht!