Essstörung und erste Liebe als Speedrun

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chaosbaerchen Avatar

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„Und alles zerbricht“ ist der erste Band der Paper Hearts-Trilogie und gleichzeitig auch der Debütroman von Maxine Reuker.

Maxine Reuker (Jahrgang 1999) engagiert sich öffentlichkeitswirksam für die Themen Mental Health und Female Empowerment und ist sehr erfolgreich auf TikTok unterwegs, unter anderem hat sie dort auch einen Buchclub (@maxinereuker).


ALLGEMEINES

Das Cover ist sehr mädchenhaft und „süß“, was durch die in Rosa und Pink gehaltenen Farbtöne noch unterstrichen wird. Es wirkt auch aufgrund der Pärchen-Abbildungen wie ein Liebesroman.
Irgendwie passt dies in meinen Augen nicht ganz zu dem doch sehr ernsten Thema des Buches, aber es ist ansprechend gestaltet und lockt so vielleicht mehr junge Leserinnen an, sich dem so wichtigen, aber eben doch sensiblen Thema zu widmen.

Das Buch wurde in erster Linie aus der Ich-Perspektive der Protagonistin Mila geschrieben, wechselt aber gegen Ende einmal kurz die Perspektive.


ZUM INHALT

Es geht um die 16-jährige Mila aus Berlin, die mit ihren Eltern wegen eines beruflichen Projektes der Mutter für drei Jahre nach Zürich umzieht, was drastische Folgen für die kleine Familie hat. Während die Mutter im Arbeitsstress versinkt, rutscht nicht nur der Vater ins Suchtverhalten, sondern auch Mila entwickelt nach kürzester Zeit eine Essstörung und landet in einer Klinik, wo sie ihrer ersten großen Liebe begegnet.


MEINE MEINUNG

Ich finde es sehr gut, wie strukturiert und durchdacht das Thema angegangen wurde. Es wird klar herausgestellt, wie schnell man „auf die schiefe Bahn“ geraten und sich selbst verlieren kann, und welche Macht Internetforen haben.

Die beiden großen Themen „Erste große Liebe“ und „Suchterkrankung“ werden sehr gut beleuchtet und von verschiedenen Seiten bewertet. Gerade durch den schon angesprochenen Perspektivwechsel wird ein umfassenderes Bild gezeichnet.

Grundsätzlich hat mir das Buch ausgesprochen gut gefallen. Auch das Thema Therapie kommt adäquat zur Sprache und wurde meines Erachtens sehr authentisch skizziert. Vor allem die Macht des Internets mit de Ana-Foren wird hervorragend eingeflochten - hier lauert in der heutigen tatsächlich eine extrem große und nicht zu unterschätzende Gefahr.

Ich habe selbst in meiner Jugend bis ins Erwachsenenalter massive Essstörungen gehabt und auch mehrere Therapien gemacht. Daher sehe ich den Turboverlauf bei Mila etwas kritisch.
Je schneller man Hilfe bekommt, desto schneller kommt man aus der Spirale wieder raus, das ist ohne Frage korrekt, aber in der Regel bleibt eine Essstörung sehr lange unbemerkt. bzw. die Betroffenen nehmen keine Hilfe an und landen auch bei weitem nicht so schnell in einer Klinik und werden dort erfolgreich stationär behandelt. Aber letztlich hängt das sehr vom direkten Umfeld ab und den Ursachen, die die Betroffenen in die Essstörung getrieben haben. Bei Mila ist das soziale Netzwerk sehr stabil, unterstützend und liebevoll. Oft sieht die Realität leider anders aus.

Ich bin auch uneins, ob das Buch für Betroffene geeignet ist, ich weiß aber selbst, wie ich solche Bücher damals verschlungen habe, von daher werden Triggerwarnungen nicht viel ausrichten. Das muss jeder Leser für sich selbst entscheiden.


FAZIT

Ein gelungener Roman, der für das Thema Essstörung sensibilisiert und den jedes junge Mädchen, das nicht selbst betroffen ist, sondern bislang nur davon gehört hat oder jemanden kennt, lesen sollte!auch