„Manchmal zerbricht nicht nur das Leben, sondern auch das Bild, das man von sich selbst hat.“

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Dieser Gedanke zog sich für mich wie ein leiser roter Faden durch „Und alles zerbricht“ von Maxine Reuker. Ehrlich gesagt habe ich dieses Buch lesen wollen, weil mich das Thema interessiert hat und weil ich wissen wollte, wie eine Geschichte über Essstörungen in einem Jugendroman umgesetzt wird.

Ich bin selbst fast 40 und damit eigentlich nicht die klassische Zielgruppe. Trotzdem hat mich das Buch schneller gepackt, als ich erwartet hätte.

Im Mittelpunkt steht Mila, die nach einem Umzug ihr gewohntes Leben verliert: ihre Freunde, ihre Umgebung und vor allem das Gefühl, irgendwo wirklich dazuzugehören. Die neue Schule, die Einsamkeit und der Druck, irgendwie wieder Halt zu finden, setzen ihr immer stärker zu. Was zunächst harmlos wirkt, entwickelt sich nach und nach zu einem ernsten Problem. Schließlich landet Mila in einer Klinik, wo sie nicht nur mit ihrer Essstörung konfrontiert wird, sondern auch mit ihren eigenen Gefühlen, Ängsten und Hoffnungen. Dort begegnet sie Nicolas, und zwischen den beiden entsteht eine Verbindung, die vieles komplizierter, aber auch intensiver, macht.

Der Schreibstil ist angenehm direkt und sehr flüssig. Die Seiten lesen sich wirklich schnell weg, ohne dass das Thema an Gewicht verliert. Gerade für jüngere Leserinnen und Leser ist das ein großer Pluspunkt. Gleichzeitig wirkt vieles emotional ehrlich, ohne künstlich dramatisch zu sein. Man merkt beim Lesen deutlich, dass die Autorin persönliche Erfahrungen mit dem Thema Essstörung verarbeitet hat. Diese Authentizität spürt man besonders in Milas Gedanken und Selbstzweifeln.
Das Cover verspricht auf den ersten Blick etwas ganz anderes, als die Geschichte am Ende erzählt. Es ist weich und freundlich gestaltet. Wenn man das Buch gelesen hat, merkt man aber, dass die Geschichte deutlich schwerer ist als das es das Cover vermuten lässt. Trotzdem finde ich, dass das Cover auf einer anderen Ebene doch ganz gut passt. Die Illustration wirkt ein bisschen wie ein aufgerissenes oder zerrissenes Blatt Papier, was natürlich direkt zum Titel passt.

Mila selbst ist eine glaubwürdige Figur. Sie ist verletzlich, manchmal unsicher, manchmal auch widersprüchlich … genau so, wie man es von einer Jugendlichen in einer solchen Situation erwarten würde. Auch die Dynamik zwischen ihr und Nicolas funktioniert gut, weil sie nicht übertrieben kitschig wirkt. Die Geschichte lebt eher von leisen Momenten als von großen dramatischen Wendungen.

Natürlich merkt man, dass sich das Buch klar an eine jüngere Generation richtet. Einige Konflikte sind recht geradlinig erzählt, und manches hätte für mich persönlich noch etwas tiefer gehen dürfen. Trotzdem hat mich das Buch emotional erreicht und zum Nachdenken gebracht. Vor allem darüber, wie schnell junge Menschen in solche Spiralen geraten können.

Es ist ein sensibles, gut lesbares Jugendbuch über Selbstzweifel, mentale Gesundheit und Hoffnung. Besonders für junge Leserinnen und Leser sehr relevant, aber auch für ältere durchaus berührend.