Mehr Romance bitte

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chralrz Avatar

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Das Cover hat mich gleich angesprochen – es wirkt leicht, zart und passt gut zu einem Coming-of-Age-Roman. Inhaltlich begleitet man Mila durch eine sehr schwierige Lebensphase: Nach einem Umzug nach Zürich verliert sie ihren Halt, entfremdet sich von ihrer besten Freundin und entwickelt eine Essstörung, die schließlich zu einem Klinikaufenthalt führt. Dort begegnet sie Nicolas, einem geheimnisvollen Jungen, der Licht und Dunkelheit zugleich in ihr Leben bringt.
Ich finde es grundsätzlich sehr wichtig und lobenswert, dass das Thema Essstörung hier offen behandelt wird. Viele Szenen sind eindringlich geschildert und geben authentische Einblicke in Milas Gedankenwelt. Besonders das Thema „Pro-Ana“-Internetplattformen wurde schockierend realistisch umgesetzt – allerdings hätte ich mir hier etwas mehr Sensibilität gewünscht, da die Darstellung stellenweise zu konkret und dadurch potenziell problematisch wirkt.
Die Familienkonflikte und Milas innere Kämpfe sind überzeugend erzählt, während mich der Romance-Teil hingegen weniger erreichen konnte. Nicolas tritt erst in der zweiten Hälfte richtig in Erscheinung, sodass die Liebesgeschichte etwas zu kurz und zu abrupt wirkt. Vielleicht war das bewusst so angelegt, um den Fokus stärker auf Milas Krankheit und Heilungsprozess zu legen – für mich blieb der emotionale Funke dennoch aus.
Insgesamt eine ernste, mutige Geschichte, die wichtige Themen anspricht, aber für meine Lesererwartung nicht ganz harmonisch erzählt war. Möglicherweise bin ich auch nicht die eigentliche Zielgruppe, doch die Botschaft und Milas Weg bleiben dennoch nachdenklich stimmend.