Meine Freundin Ana

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amelien Avatar

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“Und genau dort begann es. Der Anfang vom Ende.” (Seite 10)



Du wirst gerade 16, ziehst um, verlierst den Halt, deine beste Freundin, dein gewohntes Leben und dann zerbricht plötzlich alles. Was würdest du tun, um wenigstens über etwas Kontrolle zu haben?

Genau das passiert unser Hauptprota Mila und plötzlich hat sie nur noch einen Ausweg. Ihre neue Freundin “Ana” und das Gefühl endlich wieder selbstbestimmt zu sein. Maxine Reukers gelingt es mit “Und alles zerbricht” genau diese Stimmung aus Schmerz, Verlust und einer Essstörung perfekt einzufangen und zeichnet so ein düsteres Setting. In diesem Buch wird nichts beschönigt. Die Story ist unbarmherzig und hält auf den Schmerz und die unschönen Situationen genau drauf. Es wird nichts ausgespart und dabei wird jedes Detail extrem plastisch beschrieben. Ich finde es sehr nachvollziehbar und authentisch, wie Mila durch die Einsamkeit in diese neue Welt hineingerät. Dabei finde ich auch Mila gutgeschrieben. Sie verhält sich wie eine naive 16-jährige in dieser emotionalen Ausnahmesituation. Die Dynamik der Familie und die extrem enge Bindung zu ihrer besten Freundin Juno bringen emotionale Tiefe in die Story. Die Charaktere wirken vielschichtig; besonders die fürsorglichen Eltern, die im Verlauf der Erkrankung eigene Fehler einsehen, bereichern die Handlung zusehends.

Der Schreibstil ist schnörkellos und zieht einen sofort in die Geschichte. Reuker verzichtet dabei auf geschönte Metaphern, wenn es um das Thema Essstörung geht. Dennoch kann ich mich nicht dem Gefühl erwehren, dass hier eine Romantisierung stattfindet. Was vielleicht auch an der Ich-Perspektive liegen mag, da der Fokus auf Milas Gedankenwelt liegt, was der Autorin richtig gut gelingt. Aus psychologischer Sicht ist das alles sehr einleuchtend.

Dennoch finde ich das Buch nicht wirklich gelungen. Im letzten Viertel bricht die Story stark ein. Während der Einstieg und der schleichende Beginn der Essstörung intensiv und fokussiert erzählt werden, wird der eigentliche Klinikaufenthalt und der medizinische Krankheitsverlauf viel zu schnell und oberflächlich abgehandelt. Hier fehlt es dem Mental-Health-Aspekt am Ende an Zeit, Tiefe und echter Entwicklung. Die Liebesgeschichte passte da für mich so gar nicht rein. Insbesondere da ein großer Teil der Geschichte ein äußerst sensibles Mental-Health-Thema behandelt. Nicolas, der 18-jährige Klinik-Praktikant, taucht auf und die Story mutiert zur völlig deplatzierten Instalove-Romance. Ernsthaft? Der Typ schleimt sich beim zweiten Date mit „meine Schönste“ ein und redet von Beziehung, während Mila psychisch am absoluten Tiefpunkt hängt. Das Ganze fühlte sich nicht nur unauthentisch und sehr unangenehm an, sondern der anschließende Plottwist wirkte auch noch komplett erzwungen, nur um künstliches Drama zu erzeugen.

Fazit: Guter Ansatz, schmerzhaft ehrliche Einblicke in die Dynamik von Essstörungen, aber durch die Romance leider völlig aus der Balance gebracht. Weniger erzwungene Herzschmerz-Klischees und mehr Fokus auf Milas tatsächlichen Kampf hätten dem Buch verdammt gutgetan.

Randnotiz: Das Buch ist nicht abgeschlossen und lässt uns mit einem offenen Ende zurück.

3⭐