You are enough...
"Und alles zerbricht" ist der erste Band der "Paper Hearts"-Reihe von Maxine Reuker, einer deutschen Influencerin, die auf Social Media sehr aktiv ist. Ihr literarisches Debüt steht im Zeichen ihres Engagements für Mental Health und Female Empowerment, auf der Basis von persönlichen Erfahrungen mit Essstörungen und toxischen Beziehungen.
Was die optische Aufmachung betrifft, ist das rosarote Cover auf die junge Zielgruppe zugeschnitten. Auf dem Buchrücken werden die Hauptfiguren Mila, Juno und Nicolas in den Fokus gerückt. Eine zarte Blondine, die ihre geheimen Gedanken einem mit Herzen verzierten Diary anvertraut und eine burschikose Brünette, die ihr als beste Freundin nicht von der Seite weicht. Ihre figurbetonte Kleidung unterstreicht ihre äußeren Reize, während das sportliche Love Interest mit verwuschelten Haaren auf Hoodie, Jeans und Turnschuhe setzt. Der farbige Buchschnitt setzt auf Unmengen von Herzen, die auf eine emotionale (Liebes-) Geschichte hindeuten. Der Titel weist auf eine dramatische Geschichte hin. Etwas too much, aber das ist ja reine Geschmackssache.
Eine Bewertung des literarischen Debüt fällt schwer. Diese Lektüre hat mich zwiegespalten zurückgelassen, Licht und Schatten wechseln einander ab. Positiv zu bewerten ist der Schreibstil, der genau an das literarische Genre Young Adult angepasst ist, die Sprache ist sehr einfach, klar und nah an der Zielgruppe. Gelungen ist die Darstellung eines emotional labilen, naiven Teenagers, der - aufgewachsen in privilegierten Verhältnissen - aufgrund einer beruflichen Veränderung der Mutter sein gemütliches Elternhaus in Berlin gegen ein kaltes Domizil in Zürich tauschen muss. Mila verkraftet den Verlust ihrer besten Freundin Juno nicht, sie fühlt sich allein gelassen, fremdbestimmt und gerät in eine gefährliche Abwärtsspirale, die sie in Kontakt mit einem gesundheitsgefährdenden Internet-Forum bringt. Das Geschehen wird aus der Ich-Perspektive vermittelt, man kann sich in die Gefühls- und Gedankenwelt der Protagonistin einfühlen und ihre Entwicklung gut nachvollziehen. In Bezug auf die Eltern, verzichtet Maxine Reuker auf gängige Klischees; sie dreht sie sozusagen um, wenn die Mutter von Mila als engagierte Architektin gekennzeichnet wird, die sich in einer von Männern dominierten Welt durchsetzen will, während der Vater von Mila den lässigen Haus-Mann gibt, unter Verzicht auf jegliche berufliche Aktivitäten. Wie ihre einzige Tochter erleben sie einen radikalen Wandel in ihrer Beziehung durch den Umzug nach Zürich, die Mutter entwickelt sich zu einem Workaholic, der seine Energie auf die Arbeit konzentriert, während sie sich ihrer Familie entfremdet, der Vater fühlt sich ausrangiert, überflüssig und rutscht in die Alkohol-Abhängigkeit, die von seinem sozialen Umfeld wahrgenommen, aber nicht angesprochen wird.
Weniger gefallen hat mir die sehr oberflächliche Auseinandersetzung mit dem komplexen Thema Essstörungen von Kindern und Jugendlichen eine differenzierte Darstellung im Hinblick auf die verschiedenen Formen mit Hilfe von einschlägigen Fachbüchern (Herpertz-Dahlmann & Hilbert, Simchen, Wunderer usw.) wäre wünschenswert gewesen. Auch der Klinik-Alltag kommt viel zu kurz, die Einbindung von einschlägigen Therapie-Tools in den literarischen Text wäre in diesem spezifischen Kontext sinnvoll gewesen.
Kommen wir zum letzten Punkt. Kann man grenzwertiges Verhalten wirklich als zarte Romanze interpretieren? Für mein Empfinden wirkt das Verhalten von Nicolas, dem attraktiven Sohn des Klinik-Direktors, befremdend, wenn er - vor dem Hintergrund des tragischen Todes seiner eigenen Schwester an Anorexia Nervosa - ausgerechnet psychisch und physisch kranke Klient*innen seines Vaters als Love Interest auswählt und sie von sich abhängig macht, indem er sie mit Aufmerksamkeiten und Liebeserklärungen überschüttet.
Alles in allem fällt meine Bewertung verhalten aus. Das leicht lesbare Buch ist ein durchaus lesenswerter Auftakt der angekündigten dreibändigen Reihe, zum Nachdenken anregend, aber kein einfacher Roman für zwischendurch.
Was die optische Aufmachung betrifft, ist das rosarote Cover auf die junge Zielgruppe zugeschnitten. Auf dem Buchrücken werden die Hauptfiguren Mila, Juno und Nicolas in den Fokus gerückt. Eine zarte Blondine, die ihre geheimen Gedanken einem mit Herzen verzierten Diary anvertraut und eine burschikose Brünette, die ihr als beste Freundin nicht von der Seite weicht. Ihre figurbetonte Kleidung unterstreicht ihre äußeren Reize, während das sportliche Love Interest mit verwuschelten Haaren auf Hoodie, Jeans und Turnschuhe setzt. Der farbige Buchschnitt setzt auf Unmengen von Herzen, die auf eine emotionale (Liebes-) Geschichte hindeuten. Der Titel weist auf eine dramatische Geschichte hin. Etwas too much, aber das ist ja reine Geschmackssache.
Eine Bewertung des literarischen Debüt fällt schwer. Diese Lektüre hat mich zwiegespalten zurückgelassen, Licht und Schatten wechseln einander ab. Positiv zu bewerten ist der Schreibstil, der genau an das literarische Genre Young Adult angepasst ist, die Sprache ist sehr einfach, klar und nah an der Zielgruppe. Gelungen ist die Darstellung eines emotional labilen, naiven Teenagers, der - aufgewachsen in privilegierten Verhältnissen - aufgrund einer beruflichen Veränderung der Mutter sein gemütliches Elternhaus in Berlin gegen ein kaltes Domizil in Zürich tauschen muss. Mila verkraftet den Verlust ihrer besten Freundin Juno nicht, sie fühlt sich allein gelassen, fremdbestimmt und gerät in eine gefährliche Abwärtsspirale, die sie in Kontakt mit einem gesundheitsgefährdenden Internet-Forum bringt. Das Geschehen wird aus der Ich-Perspektive vermittelt, man kann sich in die Gefühls- und Gedankenwelt der Protagonistin einfühlen und ihre Entwicklung gut nachvollziehen. In Bezug auf die Eltern, verzichtet Maxine Reuker auf gängige Klischees; sie dreht sie sozusagen um, wenn die Mutter von Mila als engagierte Architektin gekennzeichnet wird, die sich in einer von Männern dominierten Welt durchsetzen will, während der Vater von Mila den lässigen Haus-Mann gibt, unter Verzicht auf jegliche berufliche Aktivitäten. Wie ihre einzige Tochter erleben sie einen radikalen Wandel in ihrer Beziehung durch den Umzug nach Zürich, die Mutter entwickelt sich zu einem Workaholic, der seine Energie auf die Arbeit konzentriert, während sie sich ihrer Familie entfremdet, der Vater fühlt sich ausrangiert, überflüssig und rutscht in die Alkohol-Abhängigkeit, die von seinem sozialen Umfeld wahrgenommen, aber nicht angesprochen wird.
Weniger gefallen hat mir die sehr oberflächliche Auseinandersetzung mit dem komplexen Thema Essstörungen von Kindern und Jugendlichen eine differenzierte Darstellung im Hinblick auf die verschiedenen Formen mit Hilfe von einschlägigen Fachbüchern (Herpertz-Dahlmann & Hilbert, Simchen, Wunderer usw.) wäre wünschenswert gewesen. Auch der Klinik-Alltag kommt viel zu kurz, die Einbindung von einschlägigen Therapie-Tools in den literarischen Text wäre in diesem spezifischen Kontext sinnvoll gewesen.
Kommen wir zum letzten Punkt. Kann man grenzwertiges Verhalten wirklich als zarte Romanze interpretieren? Für mein Empfinden wirkt das Verhalten von Nicolas, dem attraktiven Sohn des Klinik-Direktors, befremdend, wenn er - vor dem Hintergrund des tragischen Todes seiner eigenen Schwester an Anorexia Nervosa - ausgerechnet psychisch und physisch kranke Klient*innen seines Vaters als Love Interest auswählt und sie von sich abhängig macht, indem er sie mit Aufmerksamkeiten und Liebeserklärungen überschüttet.
Alles in allem fällt meine Bewertung verhalten aus. Das leicht lesbare Buch ist ein durchaus lesenswerter Auftakt der angekündigten dreibändigen Reihe, zum Nachdenken anregend, aber kein einfacher Roman für zwischendurch.