zu inszeniert

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milapferd Avatar

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Dies ist eine Rezension zum Hörbuch:

Die Erzählstimmen und das Erzähltempo habe ich während des gesamten Romans als sehr angenehm empfunden.

Mila wächst sehr privilegiert in einer Villengegend in Berlin auf. Ihr Mutter ist eine angesehene Architektin, ihr Vater ist Hausmann und kümmert sich um Mila, den Hund und das Haus. Als Milas Mama ein Projekt in der Schweiz angeboten bekommt, sagt sie zu und das ohne Mila zu fragen und ohne große Vorlaufzeit. Mila beschließt sich nicht darauf einzulassen und die Schweiz zu hassen. Sie wird immer trauriger, auch weil sie merkt, dass ihr Vater vermehrt zum Alkohol greift. Sie tröstet sich mit essen und rutsch im Gegenzug dazu in eine Bulemie. Besuche in einem Forum für Essgestörte verstärken ihre Gedanken um Kalorien und Abnahmen, bis sie eines Tages in Ohnmacht fällt und in ein Krankenhaus und von da in eine Klinik eingeliefert wird. Sie verliebt sich in einen Mitarbeiter, kann die Bulemie nicht loslassen und befindet sich schnell in einem Zwiespalt. Zum Glück gelingt es ihr die Essstörung weitgehend in den Hintergrund zu stellen.

Ich finde es ist ein wichtiges Thema und es ist gut, wenn jemand einen Roman darüber verfasst, damit vielleicht betroffene Kinder und Jugendliche sich wiederfinden können. Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass die psychologische Betreuung noch ein mehr herausgearbeitet worden wäre. Irgendwie gerät sich im laufe des Plots schon in den Hintergrund. Mir sind einige Dinge aufgefallen, die mich gestört haben:

- es spielt zwar in Berlin, aber in der Regel ist man nicht in der 9. Klasse mit 16 Jahren, sondern in der 10.

- ein Mitarbeiter (auch wenn es sich um einen fast Gleichaltrigen handelt) verliebt sich in eine Patientin und knall bums ist es die große Liebe auf beiden Seiten, etwas zu sehr konstruiert

- es werden zu viele Nebenschauplätze aufgemacht (Mutter steht für sich und ihre Arbeit ein, Vater wird Alkoholiker, Tochter wird anorexisch, Mutters Auftraggeber ist ein Arschloch und zufällig der Vater der großen Liebe und und und)

Es war mir am Ende dann ein bisschen zu viel Drama und etwas zu wenig Heilung.