Wenn die Trauer plötzlich vor der Tür steht

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Die Leseprobe zu „Und es wird trotzdem wieder Sommer werden" von Sebastian Becker hat mich sofort gepackt. Becker, vielen als Tschief bekannt für seine humorvollen Beobachtungen im Netz, erzählt hier etwas ganz anderes: Wie sein Vater mit 28 Jahren plötzlich stirbt, beim Wandern stürzt und wenige Stunden später im Krankenhaus – und wie die Trauer danach sein Leben übernimmt.

Am meisten berührt hat mich das Bild aus dem Prolog: Die Trauer kommt bei ihm an wie ein ungebetener Gast, der sich einfach breitmacht, Koffer im Flur abstellt, den Kühlschrank leert und nicht sagt, wie lange er bleiben wird. So genau und gleichzeitig so bildhaft habe ich dieses Gefühl selten beschrieben gesehen. Man merkt sofort, dass hier jemand schreibt, der genau hinschaut, statt sich hinter großen Worten zu verstecken.

Auch die Rückblende auf den eigentlichen Todestag ist eindringlich: der ganz normale Freitag, der Actionfilm am Abend, dessen Explosion sich Jahre später noch mit dem eigenen Schock überlagert, der knappe Anruf, das Taxi, das rote Ampeln überfährt. Becker schreibt in kurzen, klaren Sätzen, die nichts beschönigen, aber auch nicht larmoyant werden.

Was mich besonders neugierig macht: Becker beschreibt, wie er seit seinen Lesungen von völlig fremden Menschen auf ihre eigene Trauer angesprochen wird – Menschen, die auch keine Worte dafür haben. Das Buch will genau da ansetzen, kein Ratgeber sein, sondern der Sprachlosigkeit etwas entgegensetzen. Zwischen den Kapiteln stehen kurze, handschriftliche Zeilen, fast wie kleine Gedichte, die seine Herkunft aus den sozialen Medien erkennen lassen, ohne aufgesetzt zu wirken.

Nach dieser Leseprobe bin ich sehr gespannt auf den Rest. „Und es wird trotzdem wieder Sommer werden" verspricht keine schnelle Tröstung, sondern ein ehrliches, nahes Buch über Verlust – und genau das macht für mich gerade den Reiz aus.