Wenn einem für die Trauer die Worte fehlen
Schon der Klappentext von „Und es wird trotzdem wieder Sommer werden“ hat mich sehr berührt, weil ich mich in dem Thema auf eine Weise wiedergefunden habe, mit der ich nicht gerechnet hatte. Mein eigener Papa ist vor acht Jahren gestorben und ich habe sehr lange gebraucht, um zu verstehen, dass das Leben danach tatsächlich weitergeht – und dass irgendwann eben trotzdem wieder Sommer wird. Gleichzeitig merke ich bis heute, dass es mir schwerfällt, wirklich über seinen Tod und meine Trauer zu sprechen. Genau deshalb haben mich auch die ersten Seiten besonders getroffen. Diese Sprachlosigkeit, die Sebastian Becker beschreibt, und das Gefühl, für etwas so Großes einfach keine passenden Worte zu finden, kenne ich sehr gut. Ich mag dabei besonders seinen Schreibstil: Er ist klar, ehrlich und teilweise fast schlicht, schafft es aber gerade dadurch, unglaublich viele Gefühle auszulösen. Die Bilder, die er für Trauer findet, wirken nicht künstlich oder übertrieben, sondern sehr menschlich und greifbar. Besonders schön finde ich, dass das Buch offenbar nicht verspricht, eine Anleitung für die „richtige“ Art zu trauern zu sein, sondern einfach von einem persönlichen Umgang mit Verlust erzählt. Ich glaube, genau das könnte mir helfen: die Erfahrungen eines anderen Menschen zu lesen und dadurch vielleicht auch für meine eigene Geschichte ein paar Worte zu finden. Deshalb ist dieses Buch für mich nicht einfach nur eine interessante Neuerscheinung, sondern eines, das ich wirklich sehr gerne lesen möchte.