Der verschlungene Weg von Trauer

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
heute.lese.ich Avatar

Von

„Und es wird trotzdem wieder Sommer werden“ von Sebastian Becker

Ein leises, aber unendlich kraftvolles Buch über die rohe Realität des Verlusts einea geliebten Menschen und den langen, verschlungenen Weg der Trauer.

Sebastian Becker gelingt es auf zutiefst gefühlvolle Weise, den emotionalen Ausnahmezustand greifbar zu machen, in den man geschleudert wird, wenn plötzlich der eigene Vater stirbt. Becker nimmt uns mit durch die ersten Minuten der Schockstarre, die zähen Stunden des Unglaubens, die dunklen Tage und Wochen der Leere bis hin zu den Jahren, in denen der Schmerz langsam seine Form verändert.
Dabei seziert er die Trauer nicht theoretisch, sondern erzählt sie über die schmerzhaften Details des Alltags: Es sind genau die beiläufigen Dinge, die einem beim Lesen mitfühlen lassen: wie der persönliche Besitz und die Kleidung des geliebten Menschen, die einem im Krankenhaus stumm in einem einfachen Plastikbeutel überreicht werden.

Genau in diesen ungeschönten, ehrlichen Momenten liegt die Magie des Buches. Becker beschreibt das gegenseitige Beschützen, das vorsichtige Neu-Sortieren des Lebens und die leichte Hoffnung, die sich wie die Sonnenstrahlen auf dem Cover durch die dichten Wolken kämpfen. Er zeigt, dass Trauer kein geradliniger Prozess ist, den man einfach „abhakt“, sondern eine Landschaft, die man durchschreiten muss. Wohin der Weg geht, weiß man leider nicht

Ein wunderschönes, tröstliches und zutiefst berührendes Buch. Es tut weh, wenn man ebenfalls die Erfahrung machen müsste, es heilt aber auch ein Stück und vor allem lässt es einen nicht allein zurück... Und irgendwann wird es trotzdem wieder Sommer werden... Absolute Herzensempfehlung.