Jeder Herbst verspricht den Frühling
Das Buch „Und es wird trotzdem wieder Sommer werden“ von Sebastian Becker handelt wie auf dem Cover geschrieben von Trauer und Hoffnung. Der Autor zeichnet in seinem poetischen Schreibstil ein Bild des zarten Erinnerns. Dies gelingt ihm mit so viel Ehrlichkeit zu seinen Gefühlen, dass es mir als Leserin sehr leicht fiel, ihm durch seine Erinnerungen zu folgen.
Im Buch findet man immer wieder wunderschöne Sonnenblumen-Zeichnungen mit Sprüchen. Diese Sonnenblumen haben für den Autor eine persönliche Bedeutung, von der er im Verlauf des Buches berichtet.
Die einzelnen Kapitel sind sehr kurz und somit perfekt, um zwischendurch mal eben ein Kapitel zu lesen.
Glücklicherweise leben wir nicht jeden Tag mit dem Gedanken und der Angst, dass wir einen geliebten Menschen an den Tod verlieren könnten. Doch genau da setzt das Buch an und verdeutlicht, wie schnell und unvorhersehbar so ein Verlust jeden einzelnen treffen kann. Einige Themen haben mich besonders berührt:
1. Oft nehmen wir einen Menschen als selbstverständlich, ohne uns darüber Gedanken zu machen, dass dieser Mensch jemand „mit eigenen Wünschen und eigenen Niederlagen“ ist. (S. 99) Dies passiert den meisten wahrscheinlich in Bezug auf die eigenen Eltern. Diese sieht man oft nur als Eltern und nicht als die Menschen, die sie eigentlich sind.
2. Jeder lebt sein Leben im ganzen Trubel. Dieses Buch erinnert einen liebevoll daran, die Zeit mit seinen Liebsten zu nutzen.
3. Es ist nie zu spät, eine zarte neue Verbundenheit dort zu schaffen, wo vorher nur Gewohnheit und Selbstverständlichkeit waren. Es muss nur echtes Interesse vorhanden sein.
Der poetische Schreibstil hat mir sehr gefallen.
Einige Sätze haben mich gerade durch ihre Mehrdeutigkeit beeindruckt, z. B. „Mit jedem Tag mehr wird es weniger.“ Gemeint ist: die Trauer, die Erinnerungen, die Dinge, die sein Vater ihm geschenkt hat, das Wissen, wie seine Stimme klang, der Schmerz.
Auch für die Trauer und die Erinnerung findet der Autor so unfassbar bilderreiche Umschreibungen:
„Sie verteilte ihre Klamotten über meine Möbel, ließ nasse Handtücher auf dem Boden liegen und die Pflanzen verkümmern, machte sich breit und den Kühlschrank leer. Sie schlief bis in den Nachmittag, stand nicht auf, wenn die Post klingelte, beantwortete keine meiner Fragen.“ (S. 13 — über die Trauer)
„Erinnerung klingt nach etwas Festem, nach einem gebundenen Buch, das man nur aufschlagen muss. Aber in Wirklichkeit sind Erinnerungen fließend. Sie löschen und ergänzen einander, verschieben Reihenfolgen, betonen Nebensächlichkeiten. Was im Gedächtnis haften bleibt, ist kein Protokoll, sondern ein Entwurf, eine Geschichte. Eine Version von vielen.“ (S. 166 — über das Erinnern)
Dieses kurzweilige, herzerwärmende Buch möchte ich jedem empfehlen, der ebenso einen Verlust erlebt hat. Man erfährt dadurch vielleicht nichts grundlegend Neues, aber möglicherweise versteht man die eigene Trauer ein wenig besser. Es kann außerdem tröstend sein, mit seinen Gefühlen nicht allein zu sein. Eine wichtige Botschaft des Buches ist, dass das Leben doch immer weitergeht. Und daran kann (glücklicherweise) niemand etwas ändern, auch wenn man in seiner Trauer häufig nicht versteht, wie das normale Leben draußen so unbeeindruckt weiterlaufen kann. Und so ende ich hier mit einem Zitat, welches der Autor in seinem Buch zitiert (S. 84): „Du bist auf der Welt, um das Leben zu lieben.“ Und das darfst du tun — auch nach einem Verlust, der dir erstmal den Boden unter den Füßen wegzieht. Denn es wird trotzdem wieder Sommer werden.
Im Buch findet man immer wieder wunderschöne Sonnenblumen-Zeichnungen mit Sprüchen. Diese Sonnenblumen haben für den Autor eine persönliche Bedeutung, von der er im Verlauf des Buches berichtet.
Die einzelnen Kapitel sind sehr kurz und somit perfekt, um zwischendurch mal eben ein Kapitel zu lesen.
Glücklicherweise leben wir nicht jeden Tag mit dem Gedanken und der Angst, dass wir einen geliebten Menschen an den Tod verlieren könnten. Doch genau da setzt das Buch an und verdeutlicht, wie schnell und unvorhersehbar so ein Verlust jeden einzelnen treffen kann. Einige Themen haben mich besonders berührt:
1. Oft nehmen wir einen Menschen als selbstverständlich, ohne uns darüber Gedanken zu machen, dass dieser Mensch jemand „mit eigenen Wünschen und eigenen Niederlagen“ ist. (S. 99) Dies passiert den meisten wahrscheinlich in Bezug auf die eigenen Eltern. Diese sieht man oft nur als Eltern und nicht als die Menschen, die sie eigentlich sind.
2. Jeder lebt sein Leben im ganzen Trubel. Dieses Buch erinnert einen liebevoll daran, die Zeit mit seinen Liebsten zu nutzen.
3. Es ist nie zu spät, eine zarte neue Verbundenheit dort zu schaffen, wo vorher nur Gewohnheit und Selbstverständlichkeit waren. Es muss nur echtes Interesse vorhanden sein.
Der poetische Schreibstil hat mir sehr gefallen.
Einige Sätze haben mich gerade durch ihre Mehrdeutigkeit beeindruckt, z. B. „Mit jedem Tag mehr wird es weniger.“ Gemeint ist: die Trauer, die Erinnerungen, die Dinge, die sein Vater ihm geschenkt hat, das Wissen, wie seine Stimme klang, der Schmerz.
Auch für die Trauer und die Erinnerung findet der Autor so unfassbar bilderreiche Umschreibungen:
„Sie verteilte ihre Klamotten über meine Möbel, ließ nasse Handtücher auf dem Boden liegen und die Pflanzen verkümmern, machte sich breit und den Kühlschrank leer. Sie schlief bis in den Nachmittag, stand nicht auf, wenn die Post klingelte, beantwortete keine meiner Fragen.“ (S. 13 — über die Trauer)
„Erinnerung klingt nach etwas Festem, nach einem gebundenen Buch, das man nur aufschlagen muss. Aber in Wirklichkeit sind Erinnerungen fließend. Sie löschen und ergänzen einander, verschieben Reihenfolgen, betonen Nebensächlichkeiten. Was im Gedächtnis haften bleibt, ist kein Protokoll, sondern ein Entwurf, eine Geschichte. Eine Version von vielen.“ (S. 166 — über das Erinnern)
Dieses kurzweilige, herzerwärmende Buch möchte ich jedem empfehlen, der ebenso einen Verlust erlebt hat. Man erfährt dadurch vielleicht nichts grundlegend Neues, aber möglicherweise versteht man die eigene Trauer ein wenig besser. Es kann außerdem tröstend sein, mit seinen Gefühlen nicht allein zu sein. Eine wichtige Botschaft des Buches ist, dass das Leben doch immer weitergeht. Und daran kann (glücklicherweise) niemand etwas ändern, auch wenn man in seiner Trauer häufig nicht versteht, wie das normale Leben draußen so unbeeindruckt weiterlaufen kann. Und so ende ich hier mit einem Zitat, welches der Autor in seinem Buch zitiert (S. 84): „Du bist auf der Welt, um das Leben zu lieben.“ Und das darfst du tun — auch nach einem Verlust, der dir erstmal den Boden unter den Füßen wegzieht. Denn es wird trotzdem wieder Sommer werden.