Berührender Roman über eine dunkle Zeit Deutschlans

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chris70 Avatar

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Im hohen Alter kehrt Dora in ihren Heimatort Hausen zurück. Dort wohnt noch ihr Bruder Heini und ihre Schwägerin Gretel. Sie zieht ins Altenheim „Haus Sonnenschein“ des Ortes.
Täglich wandelt sie durch die Straßen. Ihr Elternhaus, Bachkriemers Einkaufsladen und auch das Haus ihrer Freundin Fanny aus Kindertagen stehen noch. Mit jedem Schritt mehr, überfallen sie die Schatten der Vergangenheit.
Als sie bei einen ihrer Erkundungsgängen Pina kennenlernt, die nicht aufhört Fragen zu stellen, muss sie sich ihren Erinnerungen stellen…..
In angenehm kurzen Kapiteln, wird aus Sicht von Dora, mal die Gegenwart, mal ihre Erinnerungen an die Kindheit und Nazizeit erzählt.
Ein kleiner Ort, wo jeder jeden kannte und respektierte, greift die braune Saat der Nazis um sich.
Intensiv und ergreifend kann die Autorin ein Bild von Bewohnern zeichnen, die sämtliches Mitgefühl, Menschlichkeit und Respekt gegenüber ihrer jüdischen Nachbarn über Bord werfen. Ausgrenzung, Ausgehverbote sind normal. Als alle Juden aus dem Dorf abgeholt werden, sehen alle zu.
Auch Dora, zwar noch Kind, ist insbesondere von den Gruppen fasziniert und tritt voller Überzeugung in den BDM ein.
„Die Stimmung, die mit einem Mal in der Luft lag. Das Gefühl, es werde nun alles ganz großartig werden.“
„Dora war es damals gewesen, als trügen alle plötzlich die Köpfe höher. Auch sie selbst.“
Ihre beste Freundin Fanny ist auch Jüdin. Dora bedauert zwar, dass diese nicht mehr in die Schule kommen kann, macht sich aber nicht so viele Gedanken darüber.
Sie bemüht sich sogar so sehr, dass sie auf die Lehrerschule gehen kann und Hausen verlässt. Sie hört nie wieder von Fanny.
Das Buch hat mich durchgehend gefordert, zum Nachdenken angeregt, meine Emotionen hochkochen lassen.
Dora wurde mir als Figur nie richtig sympathisch. Vielleicht ist es normal, alle Erinnerungen in den hintersten Teil des Gehirns zu schieben, um die eigene Schuld ertragen zu können?
Fanny kann vor dem Transport fliehen und wird von Gottfried Schomber gerettet und versteckt. Er lässt sich von der Ideologie der Nazis nicht einfangen. Und Dora fragt sich: „Warum hat dieser Gottfried es geschafft, das Richtige zu tun? Was unterscheidet ihn von mir?“
So, wie auch ich mich fragte, wie das alles nur zugelassen werden konnte und ob ich selbst damals der Ideologie widerstanden hätte.
Fazit: Eine sehr berührende, authentische Geschichte über Vergangenheitsbewältigung, Schuld und Frieden zu schließen mit seiner eigenen Unzulänglichkeit.