Eine hessische Zeitreise

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enzian Avatar

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Nach etlichen Jahrzehnten kehrt Dora in ihren hessischen Heimatort zurück, in das kleine Dorf Hausen. Vieles ist ihr vertraut und dennoch nach der langen Zeit fremd. Sie begibt sich zu ihrem Elterhanus, aber auch zu dem Fachwerkhaus, in dem früher ihre Freundin Fanny wohnte. Zu ihrem Erstaunen stellt sie fest, dass vor dem Haus Stolpersteine liegen. Es handelt sich allerdings nur um vier Steine, in dem Haus wohnten aber fünf Menschen. Ein Stein fehlt, jener für Fanny, was Dora sehr nachdenklich macht.

Das schöne, liebevoll gestaltete Cover hat mich sofort zum Lesen eingeladen. Ich kann nachvollziehen, wie sich Dora nach Jahrzehnten gefühlt haben muss, in ihr Heimatdorf zurückzukehren. Ihre Unsicherheit, noch dazu lebt sie nun in einem Seniorenwohnheim. Hinzu kommt die Ungewissheit, was damals mit ihrer Freundin Fanny wirklich geschehen ist.

Ute Mank nimmt ihre Leser mit auf eine spannende Zeitreise. Die Erzählung verläuft in zwei Zeitebenen, in der Gegenwart sowie in der Zeit des Nationalsozialismus.
Interessant fand ich die Hausnamen der Protagonisten, eine alte hessische Tradition, die bis heute besteht. So lautete dar Hausname von Doras Familie Gehanndingels. Ich musste schmunzeln, weil ich das von Verwandten in Hessen auch kenne.

Sehr emotional und auf beeindruckende Weise beleuchtet die Autorin ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte. Es macht betroffen, wie die Mehrheit der Dorfgemeinschaft ihre jüdischen Nachbarn im Stich gelassen hat. Mehr noch, einige haben sich an der Verfolgung aktiv beteiligt und sich am Eigentum dieser Menschen bereichert. Der Schreibstil der Autorin hat mich ebenso gefesselt wie ihre authentischen Protagonisten. Ich hatte den Eindruck, der Familie Gehanndingels in ihrer Küche über die Schulter zu blicken und teilte das Entsetzen vieler Schüler angesichts des nationalsozialistisch eingestellten Lehrers Ressel.

Doras Wandel im Verhältnis zu ihrer Freundin Fanny hat mich nachdenklich gemacht. Ebenfalls ein Thema in der Erzählung war die eindrucksvolle Tradition des Verlegens von Stolpersteinen vor den Häusern ermordeter Juden. Darüber hinaus die Tatsache, wie sich junge Menschen am Beispiel von Pina heute mit der Vergangenheitsbewältigung befassen.
Der Autorin ist es gelungen, Gegenwart und Vergangenheit geschickt miteinander zu verknüpfen. Sie hat historische Fakten gekonnt mit fiktiven Charakteren verbunden. Ein starker Roman, an den ich mich noch lange erinnern werde.