Eine leise Geschichte

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s.fischer79 Avatar

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Manchmal sind es gerade die leisen Geschichten, die besonders lange nachwirken – und genau so ein Buch ist dieses für mich.

Schon das wunderschöne, harmonische Cover mit dem Birnbaum hat mich angesprochen. Welche Bedeutung dieser Baum für die Geschichte hat, erfährt man bereits im Prolog und damit bekommt auch die Gestaltung des Covers noch einmal eine ganz andere Bedeutung.

Im Mittelpunkt steht die über 80-jährige Dora, die nach dem Tod ihres Mannes Paul in ihr Heimatdorf Hausen bei Gießen zurückkehrt. Doch mit ihrer Rückkehr kommen auch Erinnerungen zurück, die sie über Jahrzehnte verdrängt hat. Schuld, Verlust und die Vergangenheit sind plötzlich wieder ganz nah.

Besonders berührt hat mich die Begegnung zwischen Dora und der deutlich jüngeren Pina. Pina hat erfahren, dass ihr Elternhaus früher einer jüdischen Familie gehörte. Gemeinsam beginnen die beiden, sich mit der Geschichte des Hauses und den davor verlegten Stolpersteinen auseinanderzusetzen. Nach und nach gelingt es Dora dadurch auch, sich ihrer eigenen Vergangenheit zu stellen.

Ute Mank erzählt diese Geschichte sehr ruhig und einfühlsam. Sie schreibt über Schuld und Verantwortung, aber ebenso über Vergebung, Loslassen und die Möglichkeit, sich auch nach vielen Jahrzehnten noch mit dem auseinanderzusetzen, was gewesen ist. Dabei verurteilt sie ihre Figuren nicht, sondern lässt ihnen und ihrer Geschichte den nötigen Raum.

Für mich ist es ein sehr berührendes und gleichzeitig kluges Buch über Erinnerungen, die nicht einfach verschwinden, nur weil man sie lange verdrängt. Wer sich für Geschichten vor dem Hintergrund des Nationalsozialismus interessiert und dabei keine laute, dramatische Erzählung sucht, sondern ein Buch, das ganz leise unter die Haut geht, sollte sich dieses unbedingt anschauen.