Erinnerungen, die bleiben
Die Protagonistin Dora Jansen kehrt in ihr Heimatdorf zurück, um dort in einem Alters-/Pflegeheim ihre letzten Lebensjahre zu verbringen. Als sie entdeckt, dass mit Stolpersteinen an die Familie ihrer jüdischen Freundin Fanny, aber nicht an diese, erinnert wird, macht sie sich auf die Suche nach dem Warum. „ …flüchtige Bilder, aus denen einige seltsam scharf und wie hinterleuchtet herausstachen“ (S.80) erscheinen vor ihrem inneren Auge: Szenen in der Schule, beim Spielen, die geliebten Birnen von einem Baum aus der Nachbarschaft… Mit einer jungen Frau erfährt sie nach und nach, was geschehen ist. Fanny hat als einzige in der Familie überlebt.
Dora ist von Schuldgefühlen geplagt, weil sie sich in der Hitlerjugend wohl gefühlt hatte – nach Kriegsende hatte sie sich dann gefühlt, „als wäre sie etwa auf einen Heiratsschwindler hereingefallen“ (S.253) - welch seltsamer Vergleich. Überhaupt findet sie nur sehr langsam dazu der jungen Frau zu erzählen, in welcher Beziehung sie zu Fanny stand. Ganz anders dagegen der alte Schomer, dessen Familie in den schrecklichen Zeiten Mut zeigte.
Bewegt hat mich vor allem der letzte Satz des Romans: „Warum weiß man immer erst hinterher, dass man jemanden zum letzten Mal gesehen hat.“