Freundschaft in dunklen Zeiten

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Von Ute Mank habe ich bereits Elternhaus sehr gern gelesen, und ihr neues Buch Und mittendrin der Birnbaum hat meine Erwartungen mehr als erfüllt.
Dora zieht im hohen Alter in ein Seniorenheim in ihrem Heimatdorf Hausen. Sie war schon lange nicht mehr dort, von den einst sieben Geschwistern leben nur noch sie und Heini. Sie versteht sich gut mit Heinis Schwester Gretel, die sie öfter zum Kaffee besucht.
Bei ihrem Rundgang durch Hausen wird Dora magisch von dem Haus angezogen, in dem ihre beste Freundin Fanny mit ihrer Familie gelebt hatte. Dora hatte den Kontakt zu Fanny abgebrochen, nachdem sie weggezogen ist, um eine Ausbildung zur Lehrerin zu machen. Vor Fannys Haus sieht sie vier Stolpersteine. Sie wundert sich über die Anzahl, da Fanny zwei Schwestern hatte und fünf Personen in dem Haus gewohnt hatten.
„Dora begriff, dass sie nie wieder in ihrem Leben eine beste Freundin gehabt hatte. Bekannte, Freunde, mit denen man etwas unternahm. Das ja. Aber eine beste Freundin? Bei der man nicht viele Worte machen musste. Die einen in- und auswendig kannte. Mit der man vertraut war, ohne erklären zu können, woran genau das nun lag. So eine Freundin hatte es in ihrem Erwachsenenleben nie gegeben.“ (S. 268)
Dora spricht vor dem Dorf-Edeka die junge Pina an, das Geschäft ist seit Generationen im Familienbesitz. Es stellt sich heraus, dass Pina die Urenkelin der damaligen Ladenbesitzerin ist, die glühende Anhängerin der Nationalsozialisten war. Pina ist sehr an der Geschichte des Dorfes und ihrer Familie interessiert und bietet Dora an herauszufinden, warum nur vier Stolpersteine verlegt wurden.
Die Kapitel spielen abwechselnd damals, als Dora und Fanny befreundet waren, und heute. Während der Nachforschungen zum Verbleib von Fannys Familie entsteht zwischen der jungen und der alten Frau so etwas wie Freundschaft.
Pina ist nur wenig älter als Dora und Fanny waren, als sie getrennt wurden. Für Dora war es damals sehr wichtig, eine Ausbildung zu machen, Pina hingegen sieht das eher gelassen. Sie möchte Medizin studieren, strengt sich dafür aber nicht allzu sehr an. Auch Pina hat eine beste Freundin, die nicht mehr da ist, denn Jenny lebt für einige Zeit in Amerika, Pina hatte ihr Angebot mitzukommen abgelehnt.
Ich habe das Buch sehr gern gelesen. Obwohl ich schon viele Bücher gelesen habe, in denen es um die Verfolgung und Vernichtung von Juden im Nationalsozialismus geht, bin ich jedes Mal von Neuem erschüttert darüber, wie wenig Widerstand es in der Bevölkerung gab.
Das Ende hat mein Herz berührt. Gerne empfehle ich euch dieses Buch über das Altern, eine generationenübergreifende Freundschaft und eine Freundschaft in dunklen Zeiten.