Ich bin zutiefst berührt

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Das Cover von "Und mittendrin der Birnbaum" von Ute Mank ist optisch ein absoluter Hingucker und würde mich allein schon dadurch auf das Buch aufmerksam machen. Die beiden dort abgebildeten Mädchen, vertraut nebeneinander gehend, in einer goldgelben Birne - was für eine gute Umsetzung zum Titel. Dora, die ältere Protagonistin des Romans, zieht nach dem Tod ihres Ehemannes Paul in ihr Heimatdorf Hausen nach Hessen zurück. Dort bezieht sie ein Zimmer im Seniorenstift "Haus Sonnenschein" und hat Schwierigkeiten sich einzuleben. Obwohl es nicht das zentrale Thema ist, beschreibt die Autorin gerade die Beziehungen unter den Bewohnern auf den Punkt. Bei einem Spaziergang kommt Dora an dem Haus vorbei, in dem ihre jüdische Freundin aus der Kindheit mit ihrer Familie gelebt hatte. Vor dem Haus liegen inzwischen vier Stolpersteine, die der Personen gedenken sollen - aber für die Freundin Fanny ist kein Stein angelegt worden. Was ist mit Fanny, zu der sie keinen Kontakt mehr hatte, geschehen? Konnte sie Hitlers Schergen entgehen? Gemeinsam mit der jungen Frau, die inzwischen in diesem Haus lebt, begibt sie sich auf die Spurensuche und stellt sich damit auch der eigenen Vergangenheit. Es geht um die Aufarbeitung vermeintlicher Schuld, um wegducken und weggucken und die auch oftmals nicht hinterfragte Übernahme rechten Gedankenguts. Der Sprachstil ist klar, packend, eindringlich und äußerst bildhaft. Obwohl ich das Buch in zwei Tagen gelesen habe, denn es war wie ein Sog, ließen mich die relativ kurzen Kapitel immer wieder innehalten und zum Nachdenken anregen. Wie hätte ich mich in jenen Zeiten verhalten, hätte ich Mut bewiesen und damit mein eigenes Leben und das meiner Familie gefährdet, oder wäre ich auch getreu den Nazis hinterhergelaufen und hätte deren Parolen vertreten? Letzteres wäre heute für mich nicht vorstellbar, aber das lässt sich aus dem zeitlichen Abstand heraus natürlich leicht sagen. Dieser Roman hat mich unglaublich berührt und aufgewühlt und ich gehe sogar so weit, dass ich ihn als Pflicht-Schullektüre empfehlen würde. Gerade in der heutigen, leider wieder sehr beängstigenden Zeit, ist es unerlässlich jüngeren Generationen die Schreckensherrschaft Hitlers und seiner Getreuen als Mahnmal vor Augen zu führen. Kein Mensch darf wegen seiner Rasse, seiner Herkunft, seiner Religion oder seiner sexuellen Orientierung ausgegrenzt, geschweige denn verfolgt oder sogar ermordet werden. Wir leben von der Vielfalt. Das Buch ist ein Plädoyer für diese Werte. Es ist ein leiser Roman, mit einer enormen Kraft und gerade das macht die Botschaft von Ute Mank so eindringlich. Bitte unbedingt lesen und auch weiterverschenken!!