Krieg auf dem Lande
Im ersten Kapitel hat mir das Buch gar nicht gefallen. Ich habe mich sogar über die künstlerische Freiheit der Autorin geärgert, denn Gießen wurde am 6. Dezember 1944 zerstört und im Dezember pflückt man keine Birnen mehr. Auch dass man von Pohlheim-Hausen aus den Feuerschein im 120 km entfernten Kassel sehen kann, scheint eher unwahrscheinlich. Doch je weiter ich las, desto mehr hat mich das Buch gefesselt. Es erzählt die Zeit des Nationalsozialismus nicht aus der Sicht prominenter Berliner, sondern aus der Sicht der ganz normalen Leute in einem kleinen Dorf. Das echte Leben also. Genauso könnte es in jedem anderen Dorf auch zugegangen sein. Das rückt diese Zeit irgendwie viel näher an die Leser heran. Man beginnt nachzudenken und fragt sich, wie ist das bei uns gewesen, in unserem Heimatort? Vielleicht ist es hier und dort ein Anlass, ein bisschen nachzuforschen. Das Ganze liest sich total flüssig, der Spannungsbogen ist gut angelegt und jede Seite macht Lust auf die nächste, also klare Leseempfehlung.