Schuldbehaftete Erinnerungen

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
pewie Avatar

Von

Dora kehrt in ihr altes Heimatdorf zurück. Hier ist noch Familie und sie kann in Erinnerungen schwelgen. Ihre Tochter wohnt nicht in der Nähe aber immer noch erreichbar. Die Wohnung im Seniorenheim ist angenehm die Betreuung auch. Nur die Erinnerungen spielen nicht mit. Vor einem Haus sind vier Stolpersteine verlegt, ihres Wissens nach müssten es fünf sein. Was ist aus ihrer damaligen Freundin geworden, hat sie überlebt, wenn ja wie, denn Dora hat sie im Stich gelassen. Mit Hilfe der jungen Bewohnerin des Hauses macht sie sich auf Spurensuche.
In der Gegenwart erleben wir wie sich Dora zurecht findet, immer wieder von Schuldgefühlen geplagt weil sie damals nicht für Fanny da war. In der Vergangenheit erleben wir den Alltag von Dora, Ein intelligentes Mädchen mit Ehrgeiz dem das Dorf, das Elternhaus zu eng ist. Fanny die ganz anders lebt, teilt sie den Traum von einer freien Zukunft. Für Dora sind die Nazis die Befreiung, für Fanny bedeuten sie Verfolgung und Tod.
Die Autorin beschreibt einen schleichenden Prozess mit dem die jungen Menschen verführt werden. Gemeinsamkeit weg vom Elternhaus, Hierarchien die eine Struktur geben und nicht nur das Gesetz der täglichen Arbeit. Feindbilder die genau definiert sind, auch für die Älteren gilt dieses System der Verführung. Neid und Missgunst ist auf einmal keine schlechte Eigenschaft die anderen denken ja ähnlich. Verleumdung predigt sogar der Pfarrer und der Lehrer sieht alles. Es gibt wenige die einen moralischen Kompass fern der Ideologie besitzen und dann braucht es auch noch Mut um danach zu handeln.
Es wird nicht um Verständnis geworben, denn Dora weiß schon als junges Mädchen das sie sich falsch verhält, aber ihre Träume sind größer und der Gruppenzwang auch. Als junges Mädchen ist es nur das Gefühl, während die Erwachsenen es besser wissen. Dennoch hat sie als alte Frau keine Entschuldigung für sich sondern nur schwere Scham. Genau dieses Gefühl überträgt sich, es ist kein Fremdschämen sondern der Gedanke ich hätte wahrscheinlich nicht anders gehandelt obwohl ein kleines bisschen Hoffnung da ist. Aber die rührt von dem Wissen, das Dora nicht haben konnte.