Stolpersteine auf dem Dorf
Dora zieht nach dem Tod ihres Mannes zurück nach Hausen, das Dorf ihrer Kindheit. Ihr Bruder und ihre Schwägerin sind noch dort. Vor dem Haus ihrer damaligen besten Freundin Fanny wurden Stolpersteine verlegt, doch einer fehlt. Der von Fanny. Heute wohnt die 18-jährige Pina in Fannys Elternhaus. Mit ihrer Hilfe beginnt Dora nach Fannys Verbleibt zu suchen und stellt sich nach und nach der schmerzhaften Vergangenheit und den eigenen Entscheidungen zur Zeit des Nationalsozialismus.
Leise und detailliert verhandelt Ute Mank das Thema des inneren Konflikts. Der persönliche Erfolg, die eigenen Träume stehen der moralisch einzig richtigen Entscheidung gegenüber, sich zur jüdischen Freundin zu bekennen. Die moralisch richtige Entscheidung steht der Lebensgefahr gegenüber, die Grenzen zwischen Mut, Feigheit, Vernunft und Opportunismus verschwimmen bis zu Unkenntlichkeit.
Ohne zu urteilen arbeitet Ute Mank das Dilemma im inneren Dialog der Protagonistin heraus, wechselt zwischen den Gedanken der jungen Frau, die sich für das Lehrerseminar entscheidet und sich von ihrer Freundin abwendet und der über 80-jährigen Dora, die Schuld und Scham mit Schweigen überdeckt.
Und mittendrin der Birnbaum liest sich leicht. Der Text gelingt nicht immer ganz schlüssig, die Entwicklung der Beziehung zwischen Pina und Dora hakt, auch die Dialoge sind oft nicht ganz rund.
Das Setting ist jedoch klug gewählt. Selten wird die Zeit der Judenverfolgung aus Sicht der Landbevölkerung erzählt. Das Dorf erwacht damals und heute glaubhaft zum Leben, die Verhältnisse sind gut recherchiert. Das ist leichte Lektüre, die Geschichte für alle ein Stück näher bringt.
Gerne empfehle ich das Buch trotz der kleinen Schwächen weiter, die Auseinandersetzung mit der Zerbrechlichkeit der freien Gesellschaft wird wichtiger denn je.