Stolpersteine und Erinnerungen

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Stolpersteine vor Häusern, die meisten von uns werden diese schon wahrgenommen haben, ggf. kurz stehenbleiben, innehalten und weitergehen. Die Menschen, die in diesen Häusern vor über 80 Jahren lebten, sind uns unbekannt. Doris kehrt mit über 80 Jahren in ihren hessischen Heimatort zurück. Als Jugendliche während des 2. Weltkrieges zog sie fort, weg von ihrer Großfamilie, denn sie wollte eine gute Ausbildung genießen und Lehrerin werden. Beim ersten Spaziergang durch den Ort, kommt sie an das Haus ihrer jüdischen Kinderfreundin Fanny vorbei. Vier Stolpersteine wurden vor dem Haus gesetzt, doch der von Fanny fehlt. Warum nur vier? Fanny ist den Behörden nicht bekannt. Doris Gedanken kreisen um die Vergangenheit. War sie Fanny eine gute Freundin? Hätte sie anders handeln müssen? Hat auch sie sich schuldig gemacht? Was ist mit Fanny passiert? Doris lernt Pina kennen. Pina steht kurz vor dem Studium und lebt mit ihren Eltern in Fannys Haus. Die beiden freunden sich an. Pina ist sehr an der Vergangenheit interessiert, aber Doris mag nicht alles erzählen, sie fühlt sich nach wie vor mitschuldig. Aber Pina lässt nicht locker und ist hartnäckig, fragt alte Ortsbewohner und Dank ihr, kann Fannys Schicksal geklärt werden. Vielleicht kann Doris nun Frieden finden. Ute Mank zeigt mit diesem Roman, dass uns Dinge nie ganz loslassen, auch wenn sie Jahrzehnte zurückliegen. Irgendwann holen uns die Erinnerungen ein. So ergeht es auch der Protagonistin Doris. So viele Jahre hat sie sie schuldig gefühlt und hat darüber hinaus vergessen, dass sie ein Kind war. Ich kann mir gut vorstellen, dass es viele „Dorise“ gab. Kinder unterscheiden bei ihren Freundschaften nicht nach Religion oder Aussehen. Es geht lediglich um Sympathie und das ist auch gut so. Es ist die Außenwelt, die Eingriffe vornimmt und vorgibt, welche Freundschaften gepflegt werden dürfen. Damals sicher mehr als heute. Über 80 Jahre sind seit Kriegsende vergangen und es ist gut, dass es Romane wie diesen gibt. Wir dürfen nicht vergessen und vielleicht betrachten wir Stolpersteine künftig intensiver, dank dieser berührenden Geschichte. Für mich ist dieser Roman ein Lesehighlight des Jahres und wird noch lange in mir nachhallen.