Tiefgründig und bewegend

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
isis55 Avatar

Von

Die verwitwete Dora kehrt nach vielen Jahren in ihr Heimatdorf zurück, um dort ihren Lebensabend in einem Altersheim zu verbringen. In Rückblenden wird die Geschichte zweier bester Freundinnen, Dora und Fanny, erzählt. Diese Freundschaft droht zu zerbrechen, denn fast das ganze Dorf folgt der nationalsozialistischen Ideologie und Fanny ist Jüdin. Als die jüdischen Familien deportiert werden, klatschen die Dorfbewohner Beifall. Fanny kann fliehen und wird von einer Familie versteckt, die dabei ihr Leben riskiert. Dora, damals zur Lehrerinnenausbildung an der Ostsee, erfährt erst jetzt, Jahrzehnte später, was damals wirklich geschehen ist. Einige Dorfbewohner erinnern sich, andere wollen sich nicht erinnern oder verklären ihre Erinnerungen. Auch Dora hat ihre Erinnerungen lange verdrängt.

Der Roman ist eine ergreifend erzählte Geschichte über die Schrecken der Naziherrschaft. Er schildert, wie Kinder und Erwachsene damals manipuliert und indoktriniert wurden, wie Familien, die seit Jahrzehnten oder länger im Dorf lebten, zu Feinden erklärt wurden. Er erzählt vom unbeschreiblichen Leid der jüdischen Menschen und von der Überheblichkeit, Ignoranz und Verlogenheit der übrigen Dorfgemeinschaft. Aber er spricht auch von mutigen Menschen, die sich nicht verblenden ließen und ihre Menschlichkeit bewahrt haben. Der ruhige Schreibstil der Autorin gefällt mir gut und macht die Geschichte noch eindringlicher. Mich hat das Buch sehr berührt.