Verdrängte Schuld

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Nach dem Tod ihres Mannes kehrt die betagte Dora nach Jahrzehnten in ihr Heimatdorf Hausen zurück. Ihr Bruder und ihre Schwägerin wohnen noch dort und Dora zieht in das Altenheim des Ortes. Durch die Rückkehr werden Erinnerungen an ihre Kindheit geweckt, schöne, aber auch weniger schöne Gedanken beschäftigen die alte Frau. Zum Beispiel die Freundschaft zu ihrer jüdischen Freundin Fanny, die in diesen unmenschlichen Zeiten zerbrach.

Ich habe bereits einige Romane, aber auch Biografien von Zeitzeugen über die Zeit der NS-Herrschaft gelesen. Sie haben mich berührt und mich darin bestärkt, mich verstärkt mit dieser Thematik auseinanderzusetzen.

Und mittendrin der Birnbaum hat mich berührt und betroffen gemacht. Doras innere Zerrissenheit, der Freundin die Treue zu halten und dann doch wieder auf den Lehrer und andere zu hören und sich von ihnen einnehmen zu lassen, hat mich sehr beschäftigt. Kann man sich als Kind gegen dieses Gebaren wehren, was nicht einmal der Mehrheit der Erwachsenen gelungen ist?

Ute Mank hat die innere Zerrissenheit der Protagonistin sehr gut herausgearbeitet. Die verdrängten Schuldgefühle bestimmen Doras Handeln. Aber Dora stellt sich mutig und tapfer ihren Erinnerungen. Sie versucht, etwas über Fannys Verbleib herauszufinden, um endlich Frieden mit sich selbst schließen zu können.

Der Roman schließt mit dem Satz: „Warum weiß man immer erst hinterher, dass man jemanden zum letzten Mal gesehen hat?“ Dieser Satz hat sich förmlich bei mir eingebrannt. Er stimmt. Man weiß nie, wann der andere für immer geht.