Vom Schweigen, der Scham und dem Erbe der Schuld

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root314 Avatar

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Das Buch hat mich von der ersten bis zur letzten Seite tief bewegt und bekommt von mir eine uneingeschränkte Höchstwertung. Ute Mank erzählt hier eine unglaublich realistische und eindringliche Geschichte, die eine immer noch aktuelle Aussage hat.

Besonders faszinierend fand ich den psychologischen Konflikt der Hauptfigur Dora. Auf der einen Seite steht ihr brennender Wunsch zu erfahren, was damals wirklich aus ihrer Freundin geworden ist. Auf der anderen Seite spürt man ganz deutlich die Abwehrhaltun, sich der eigenen Scham und der schmerzhaften Schuld der Vergangenheit tatsächlich zu stellen.

Ute Mank gelingt es dabei, eine realistische Brücke ins Heute zu schlagen, und das ohne erhobenen Zeigefinger. Es geht in diesem Roman um weit mehr als eine historische Aufarbeitung. Es geht auch um die gefühlte Schuld einer Generation, die zwar nach dem Holocaust geboren wurde, aber bis heute in Häusern lebt, die einst jüdischen Familien gehörten. Das Buch wirft auf sehr sensible Weise die universelle Frage auf, was die Vergangenheit und diese ungesagte Schuld eigentlich mit uns und unserem Zusammenleben macht.

Getragen wird diese schwere Thematik von einem angenehm geradlinigen, unaufgeregten Schreibstil, der ganz ohne künstliches Drama auskommt und gerade dadurc so intensiv wirkt. Auch das ansprechend schlichte Titelbild passt perfekt zum Ton des Buches und rundet das Gesamtpaket wunderbar ab. Sehr lesenswert!