Vom Wissen und Wegschauen

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Und mittendrin der Birnbaum, Roman von Ute Mank, 334 Seiten, erschienen im dtv-Verlag.
Ein Mädchen dessen Spur sich verliert, eine Freundin die sich erinnert
Dora kehrt nach dem Tod ihres Mannes und nach vielen Jahren in ihren Heimatort zurück, in eine Seniorenresidenz. Auf ihren Streifzügen durch den Ort entdeckt sie vor einem Haus, das ehemals in jüdischen Besitz war, vier Stolpersteine eingelassen. Doch eigentlich sollten es fünf sein, der Stein für ihre frühere Schulkameradin und beste Freundin Fanny fehlt. Zusammen mit der Enkelin der ehemaligen Käufer, Pina macht sie sich auf die Suche um zu erfahren was mit Fanny geschehen ist.
Schon im Prolog fühlte ich mich in der Geschichte angekommen. Auch die ersten Abschnitte sind so interessant geschildert, dass sich sofort Lesefluss eingestellt hat, dann konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen, denn erst am Ende wird das Schicksal von Fanny offenbar. Die Autorin erzählt ihren Roman in zwei Zeitebenen. Zurück in die dunkelste Vergangenheit deutscher Geschichte, abwechselnd mit den Geschehnissen in der Gegenwart, das hält den Leser nah dran an der Geschichte, erst nach und nach baut sich Fannys Schicksal, Stück für Stück für den Leser auf, der Spannungsbogen ist gleichbleibend hoch, erzählt aus der Sicht Doras bekommt man das Gefühl mittendrin im Geschehen zu sein. Der Schreibstil ist ruhig, tiefgründig und voller leiser Zwischentöne. Die Hausnamen der Dorfbewohner und Eigennamen sind kursiv hervorgehoben, das hat mir gefallen denn auch bei uns im Ort gibt es noch Hausnamen, die Bedeutung dahinter ist oftmals spannend. Das Setting ist gut beschrieben, ich konnte mir den Ort und auch die Personen perfekt vorstellen.
Die Figuren sind brillant charakterisiert, ihre Handlungen sind glaubhaft und nachvollziehbar. Die Protagonistin Dora ist eine, von der Vergangenheit, belastete Frau, manchmal hatte ich das Gefühl, dass sie sich hier eine Schuld einredet, für die sie m. M. nach wirklich nicht verantwortlich ist, sie waren zu der Zeit noch Kinder, die Schuld liegt hier bei anderen. Pina war mir sehr sympathisch die junge empathische Frau hilft Dora hartnäckig, die verdrängte Vergangenheit freizulegen. Fanny symbolisiert das Schicksal der Opfer. Dass es damals auch Menschen mit Mitgefühl gab, zeigt die Familie Schomber. Die Szene auf dem Dorfplatz als die Juden abgeholt wurden, und die Bevölkerung dann, also ob nichts geschehen ist, in die Kirche ging, hat mich zu Tränen gerührt. Tief berührt hat mich der Roman zurückgelassen. Es zeigt, dass die Jugend die Erinnerung der Alten braucht und auch die Alten auf die Unvoreingenommenheit der Jugend bauen können.
Auch in unserem Garten wächst eine „Köstliche von Charneux“, sie wird mich noch oft ans Buch erinnern.
Ute Mank gelang hier ein tiefgründiger und emotionaler Roman über Schuld und Vergebung. Eine absolute Lese- und Kaufempfehlung und 5 Sterne