Von Erinnerungen, Schuld und Vergebung

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theagri_liest Avatar

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Eigentlich entscheide ich mich sehr selten auf Grund eines Covers für ein Buch. Doch diese geheimnisvoll leuchtenden Birnen haben es mir angetan. Dazu der Hinweis auf eine alte Geschichte, die bis in die heutige Zeit wirkt, hat mich dann endgültig in den Bann gezogen.

Nach über sechzig gemeinsamen Ehejahren verstirbt Paul und lässt Dora allein zurück. Sie beschließt ihr Leben zu ändern und zieht ins Haus Sonnenschein im Ort ihrer Kindheit. Hier, in dem kleinen hessischen Dorf, leben Bruder und Schwägerin und hier beginnt das Erinnern an Zeiten, die sie längst vergessen meinte. Vergessen und verdrängt, wie auch ihre jüdische Freundin Fanny. So beginnt eine aktuelle Geschichte gegen das Vergessen, die gestern und heute verbindet.

Die Erinnerungen von Dora über den Beginn der Nazizeit werden sehr lebendig erzählt. Man spürt die freudige Aufbruchstmmung, dann die Gruppendynamik bis zum Gruppenzwang, dann das Verschweigen und Vergessen. Als Doras Freundschaft zu Fanny systematisch zerstört wird, schmerzte mein Herz. Ute Mank gelang es, mir diese Gefühle so nah zu bringen, dass etwas von dieser Ungerechtigkeit fast körperlich spürbar war. Wie schwer es auch für Kinder dieser Zeit war, wie kompliziert, wie ungerecht und so allein gelassen. Diese Gefühlswelt transportiert die Autorin sehr anschaulich und berührend.

Dora als junges Mädchen und alte Frau kam mir sehr nahe. Schuldgefühle, die unverarbeitet sind, glaubhaft geschildert. Auch Pina, eine sehr junge Frau im Dorf, kann man mit ihren Fragen gut verstehen. Zwei Generationen, ein Thema und die unterschiedlichen Sichtweisen und Verarbeitungsmethoden sind gut heraus gearbeitet.

Ute Mank erzählt diese Geschichte in einer leicht lesbaren, guten Sprache. Klare, kurze Sätze, verständlich, ohne viele Schnörkel, so dass es sich leicht leicht und flüssig liest. Es gelingt ihr, einen angenehmen Spannungsbogen aufzubauen und das Interesse an Doras Geschichte die gesamte Zeit zu halten. Im letzten Teil war es mir kurzzeitig etwas lang. Da hätte der Geschichte etwas Straffung gut getan.

Insgesamt ist es ein guter Roman, der auch Jugendliche ansprechen dürfte, denn es ist der Autorin gelungen, diese "alte" Geschichte aktuell in die heutige Zeit zu transportieren, sie nutzt die Stolpersteine und erschafft mit Pina eine Jugendliche, die beide Generationen verbindet.

Ich habe diesen Roman gern gelesen uns was es mit den Birnen auf sich hat, wird beim Lesen verraten.