Wann beginnt Schuld?
„...Vielleicht war es aber auch einfach so, dass, wenn man erst einmal einen Zipfel der Decke, die über der Vergangenheit lag, anhob, immer mehr zum Vorschein kam. Ob man wollte oder nicht…“
Die Autorin hat ein bewegendes und tiefgründiges Buch geschrieben. Der Schriftstil ist fein ausgearbeitet. Er verbindet gekonnt Gegenwart und Vergangenheit. Für mich ist der Kernpunkt des Buches die Frage: Wo und wann beginnt Schuld?
Am Anfang wird in einem kursiven Kapitel eine Episode aus der Vergangenheit erzählt. Dann wechselt die Handlung ins Heute und Jetzt. Dora hat sich entschlossen, in ein Seniorenheim in ihrem Heimatort zu ziehen. Jahrelang war sie nicht hier. Im Elternhaus wohnen Bruder und Schwägerin. Das Verhältnis zum Bruder ist angespannt. Schon bald fragt sie sich, ob ihre Entscheidung richtig war. Das hat mehrere Gründe. Einer liegt in der Vergangenheit.
Beim Spaziergang durch den Ort kommen alte Erinnerungen hoch. Dann sieht sie vor dem Haus ihrer einst besten Freundin vier Stolpersteine. Wo aber ist der Stein für Fanny? Was ist mit ihr damals passiert?
Dora lernt Pina kennen. Sie wohnt heute im Haus der jüdischen Familie. Die junge Frau interessiert sich für die Geschichte, die dahinter steckt. Ihre Großeltern sind nicht begeistert. Auch Dora verschweigt, dass sie das Innere des Hauses bestens kennt. Sie war schon auf er Lehrerbildungsanstalt, als die jüdischen Mitbewohner aus dem Ort abtransportiert wurden. Dora hat auch mit ihrer Enkelin Alice nie über die Vergangenheit gesprochen. Das war und ist ein Tabuthema. Nur als Alice von einer Besichtigung des KZ zurückkam, hat sie sich ihre Gedanken gemacht.
„...Wir schleppen die Kinder in die KZ, nicht, um sie von der Schuld ihrer Vorfahren wissen zu lassen, sondern weil sie die Schuld auf sich nehmen, sie mittragen, dafür Buße tun sollen. Wir wollen entlastet sein, nicht allein damit leben müssen…“
Sehr detailliert wird beschrieben, was in den kleinen Ort in der Nazizeit passiert ist. Dabei wird auch die geschickte Manipulation der jungen Menschen deutlich. Nun aber will niemand mehr daran erinnert werden. Immer wieder schimmert die Schuldfrage durch die Erzählung. Nur wenige sind bereit, darüber zu sprechen. Es ist Pinas Hartnäckigkeit zu verdanken, dass Fannys Schicksal aufgeklärt wird. Sehr einfühlsam werden Doras innere Kämpfe dargestellt.
Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen. Seine Eindringlichkeit und die Suche nach der Wahrheit machen es zu einer besonderen Geschichte.
Die Autorin hat ein bewegendes und tiefgründiges Buch geschrieben. Der Schriftstil ist fein ausgearbeitet. Er verbindet gekonnt Gegenwart und Vergangenheit. Für mich ist der Kernpunkt des Buches die Frage: Wo und wann beginnt Schuld?
Am Anfang wird in einem kursiven Kapitel eine Episode aus der Vergangenheit erzählt. Dann wechselt die Handlung ins Heute und Jetzt. Dora hat sich entschlossen, in ein Seniorenheim in ihrem Heimatort zu ziehen. Jahrelang war sie nicht hier. Im Elternhaus wohnen Bruder und Schwägerin. Das Verhältnis zum Bruder ist angespannt. Schon bald fragt sie sich, ob ihre Entscheidung richtig war. Das hat mehrere Gründe. Einer liegt in der Vergangenheit.
Beim Spaziergang durch den Ort kommen alte Erinnerungen hoch. Dann sieht sie vor dem Haus ihrer einst besten Freundin vier Stolpersteine. Wo aber ist der Stein für Fanny? Was ist mit ihr damals passiert?
Dora lernt Pina kennen. Sie wohnt heute im Haus der jüdischen Familie. Die junge Frau interessiert sich für die Geschichte, die dahinter steckt. Ihre Großeltern sind nicht begeistert. Auch Dora verschweigt, dass sie das Innere des Hauses bestens kennt. Sie war schon auf er Lehrerbildungsanstalt, als die jüdischen Mitbewohner aus dem Ort abtransportiert wurden. Dora hat auch mit ihrer Enkelin Alice nie über die Vergangenheit gesprochen. Das war und ist ein Tabuthema. Nur als Alice von einer Besichtigung des KZ zurückkam, hat sie sich ihre Gedanken gemacht.
„...Wir schleppen die Kinder in die KZ, nicht, um sie von der Schuld ihrer Vorfahren wissen zu lassen, sondern weil sie die Schuld auf sich nehmen, sie mittragen, dafür Buße tun sollen. Wir wollen entlastet sein, nicht allein damit leben müssen…“
Sehr detailliert wird beschrieben, was in den kleinen Ort in der Nazizeit passiert ist. Dabei wird auch die geschickte Manipulation der jungen Menschen deutlich. Nun aber will niemand mehr daran erinnert werden. Immer wieder schimmert die Schuldfrage durch die Erzählung. Nur wenige sind bereit, darüber zu sprechen. Es ist Pinas Hartnäckigkeit zu verdanken, dass Fannys Schicksal aufgeklärt wird. Sehr einfühlsam werden Doras innere Kämpfe dargestellt.
Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen. Seine Eindringlichkeit und die Suche nach der Wahrheit machen es zu einer besonderen Geschichte.