Zwischen Erinnern und Verdrängen

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noiram Avatar

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Mit »Und mittendrin der Birnbaum« hat Ute Mank einen Roman geschaffen, in den ich sehr leicht hineingefunden habe. Vor allem die erste Hälfte hat mich sehr schnell abgeholt. Die Geschichte dreht sich um Dora, die trotz ihrer körperlichen und geistigen Fitness ins Seniorenheim in ihr Heimatdorf Hausen zieht. Dort wird sie mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert, als sie vor dem Haus ihrer einstigen jüdischen Kindheitsfreundin Fanny steht. Gemeinsam mit Pina, der Enkelin der heutigen Besitzer, macht sie sich auf die Suche nach Fannys Schicksal.
​Ute Manks Schreibstil ist nah an den Figuren und lässt sich wunderbar flüssig lesen. Auch die Grundidee und die Verwebung der Zeitebenen zwischen Dorfgegenwart und Jugendjahren im Zweiten Weltkrieg fand ich ausgesprochen interessant und gelungen.
​In der zweiten Hälfte hatte das Buch für mich allerdings ein paar Längen und manche Wendung wirkte etwas konstruiert. Mein größter Kritikpunkt liegt jedoch im Umgang mit der Hauptfigur Dora selbst: Für meinen Geschmack geht die Geschichte etwas zu sanft mit ihr um. Dora hat ihr ganzes Leben lang verdrängt, was aus Fanny geworden ist. Sie war im Bund Deutscher Mädel, hat mitgemacht und hingeschaut, statt zu hinterfragen – und auch wenn klar ist, dass eine Jugendliche im Nationalsozialismus kaum Handlungsspielraum hatte, fehlt mir hier ein schärferer, kritischerer Blick. Gerade in der heutigen Zeit, in der es so entscheidend ist, bei gesellschaftlichen Entwicklungen eben nicht wegzusehen und stumm mitzulaufen, hätte ich mir eine nachdrücklichere Auseinandersetzung oder zumindest ein nachschärfendes Nachwort gewünscht.
​Insgesamt ist es dennoch ein bewegendes und wichtiges Buch, das zum Nachdenken anregt.